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Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Der Erlkönig

Der Erlkönig

Johann Wolfgang von Goethe

Die Ballade Der Erlkönig zählt zu den bekanntesten Werken Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832). Der Text galt bereits zu Lebzeiten des Autors als beliebt und wurde häufig durch verschiedene Komponisten vertont. So zum Beispiel durch Franz Schubert und Carl Loewe. Aber auch Johann Friedrich Reichardt (1752-1814), der für seine zahlreichen Volkslieder, wie Bunt sind schon die Wälder oder Wenn ich ein Vöglein wär‘, bekannt ist, er untermalte den Text der Ballade 1794 mit einer melodramatischen Melodie. Spätere musikalische Interpretationen folgten bis in die Neuzeit hinein.

Carolin Eberhardt

Melodie anhören:



1. Strophe

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?

Es ist der Vater mit seinem Kind;

er hat den Knaben wohl in dem Arm,

er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.


2. Strophe

„Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?“

„Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?

Den Erlenkönig mit Kron' und Schweif?“

„Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.“


3. „Du liebes Kind, komm, geh mit mir!

Gar schöne Spiele spiel' ich mit dir;

manch bunte Blumen sind an dem Strand.

Meine Mutter hat manch gülden Gewand.“


4. Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,

was Erlenkönig mir leise verspricht?“

„Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;

in dürren Blättern säuselt der Wind.“


5. „Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?

Meine Töchter sollen dich warten schön;

meine Töchter führen den nächtlichen Reihn

und wiegen und tanzen und singen dich ein.“


6. „Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort

Erlkönigs Töchter am düstern Ort?“

„Mein Sohn, mein Sohn, ich seh' es genau:

es scheinen die alten Weiden so grau.“


7. „Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt,

und bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt!“

„Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!

Erlkönig hat mir ein Leids getan!“


8. Dem Vater graust's; er reitet geschwind,

er hält in den Armen das ächzende Kind,

erreicht den Hof mit Müh und Not;

in seinen Armen das Kind war tot.


*****

Vorschaubild: Čeština: Ilustrace ke Goethově básni Erlkönig: 1849: Urheber: Moritz von Schwind via Wikimedia Commons gemeinfrei; neu bearbeitet von Carolin Eberhardt.

Noten gesetzt von Carolin Eberhardt.

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