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Luther im Himmel

Das jünste Gericht

Christoph Werner

Der große Reformator steht vor dem jüngsten Gericht; er ist angeklagt, auf Erden wahrhaft unchristlich gehandelt zu haben, da er Hexen, Juden und andere Gegner zu ersäufen oder zu pfählen empfahl. Nun muss er sich vor Gott rechtfertigen, warum er gegen das biblische Gebot der Nächstenliebe verstoßen habe.

Der Winter

Der Winter

Christian Felix Weiße

Der eiserne Winter hat die Luft, die Erde, und alles was in und auf ihr lebt, fest im Griff. Erbarmungslos charakterisiert Christian Felix Weiße in seinem Gedicht die Jahreszeit als Gevatter Frost. Um so glücklicher können sich Menschen schätzen, die eine warme Stube, Kleidung, ein Dach über dem Kopf, Speisen und frohsinnig stimmende Getränke zur Verfügung haben. Auch ein weiches Bett dient trotz der Eiseskälte friedlichen und „süßen Träumen“. Doch sollten wir wirklich nur an uns denken? Weiße tut es nicht, denn er gibt in der dritten Strophe zu bedenken, dass es nicht allen Menschen auf der Welt so gut ergeht. In der letzten Strophe beendet der Dichter mit einem Appell zur Nächstenliebe sein Gedicht. Sein Resümee: „Wer seiner Brüder Not vergisst, verdient nicht, dass er glücklich ist.“

Carolin Eberhardt

Das schöne Jahr ist nunmehr fort,

erstarrt und traurig steh'n die Triften;

es stürmt ein ungestümer Nord

herab aus schwer belad'nen Lüften.

Die Erd' ist eisern; was da lebt,

sucht vor der Kälte Schutz und bebt.

 

Wohl mir bei dieser rauhen Zeit!

Ich darf vor keiner Kälte beben;

mich schützt mein Dach, mich wärmt mein Kleid,

und Brot und Wein erfreu'n mein Leben.

Auf weichen Betten schließt die Ruh'

mein Aug' in süßen Träumen zu.

 

Doch weh dem Armen, dem anitzt

das Glück die Notdurft selbst versaget,

den weder Kleid noch Dach beschützt,

der dreist zu betteln sich nicht waget,

den Krankheit hin aufs Lager streckt,

und keine sanfte Feder deckt.

 

Auf! auf! mein unempfindlich Herz,

mit Hülf' ihm liebreich zuzueilen!

Fühl' seine Notdurft, seinen Schmerz,

um mit ihm, was du hast, zu teilen!

Wer seiner Brüder Not vergisst,

verdient nicht, dass er glücklich ist.

 

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