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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Heideröslein

Heideröslein

Johann Wolfgang von Goethe

Sah ein Knab ein Röslein stehn

  

Eine der bekanntesten und beliebtesten Dichtungen Goethes ist das Heideröslein. Er verfasste es in seiner Straßburger Studentenzeit (1770/71), während der er sich in die Sesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion verliebt hatte. Das Gedicht wird daher auch der „Sesenheimer Lyrik" zugeordnet. Es ist an die hundert Mal vertont worden, unter anderem von Franz Schubert und Franz Lehár. Die hier vorliegende Melodie stammt von dem Komponisten Heinrich Werner (1800-1833). Sie ist die bis heute populärste.
Der Text ist vielseitig gedeutet worden. Einige Interpreten wollen ihn als die Schilderung einer Vergewaltigung verstanden wissen. Die jedoch passt nicht zu dem, was wir von Goethes Beziehung zu Friederike Brion kennen. Außerdem ist die Sprachmelodie zu schön, um sie mit so niederträchtigen Vorstellungen in Verbindung zu bringen.
Der Knabe erwacht zum Mann, entdeckt die Reize weiblicher Schönheit und will sie in Besitz nehmen, ohne dabei an Verantwortung zu denken. In dieser Hinsicht ist er noch wie ein Kind, das ohne sich Gedanken zu machen, Blumen pflückt oder interessante Dinge an sich reißt.
Der Knabe erobert das Mädchen und nimmt es sich ohne schlechtes Gewissen. Sie wehrt sich, sticht, doch nicht er, sondern sie muss leiden. Ihr ergeht es ähnlich wie später Fausts Gretchen. Sie wird „ewig" an den Knaben denken, nicht er an sie (bestenfalls an den Spaß, den er mit ihr hatte).
Aus heutigem Verständnis kann man das Heideröslein nur als Spiegelbild vergangener Gesellschaftordnungen akzeptieren. Zynisch klingt der Schlusssatz: „musst´es eben leiden." Er erinnert an den römischen Feldherrn Octavian, den späteren Kaiser Augustus, der eine Strafaktion gegen unschuldige Soldaten anordnete und zu ihnen sagte: „da müsst ihr eben mal sterben" („moriendum est").

Florian Russi

 

 

 

 

Melodie Anhören

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Lied eingespielt von Tiffany Tabbert 

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