Deutschland-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Deutschland-Lese
Unser Leseangebot

Karlheinz Fingerhut
Kennst du Franz Kafka?

Was für ein komischer Kauz muss dieser Kafka wohl gewesen sein, dass kaum ein Lehrer so recht weiß, wie ihn vermitteln. Dabei ließen sich Kafkas Texte mit Träumen vergleichen, und die kennt doch jeder.
Karlheinz Fingerhut ermöglicht in diesem Buch einen leichteren Zugang zum Menschen Kafka und zu seinen teils verwirrenden Werken.

Das Schlaraffenland

Das Schlaraffenland

Hoffmann von Fallersleben

Manch einer träumte schon heimlich vom Schlaraffenland. Nichts machen müssen, alles machen können, jederzeit die Seele baumeln lassen, ohne lästige Verpflichtungen. Und vor allem: Essen und Trinken im Überfluss und nach den ganz eigenen Wünschen. Gebratene Hühnchen, die vom Himmel direkt in den Mund fliegen, Flüsse, die statt Wasser Milch führen. Der deutsche Dichter Hoffmann von Fallersleben hat die Thematik in seinem Gedicht aufgegriffen. „Ei, wer möchte nicht dort sein!“. Doch alle Hoffnung sinkt, denn „(…) habt ihr keine Flügel, nie gelangt ihr bis ans Tor.“

Carolin Eberhardt

Kommt, wir wollen uns begeben

Jetzo ins Schlaraffenland!

Seht, da ist ein lustig Leben,

Und das Trauern unbekannt.

Seht, da lässt sich billig zechen

Und umsonst recht lustig sein:

Milch und Honig fließt in Bächen,

Aus den Felsen quillt der Wein.

 

Alle Speisen gut geraten,

Und das Finden fällt nicht schwer.

Gäns‘ und Enten geh’n gebraten

Überall im Land umher.

Mit dem Messer auf dem Rücken

Läuft gebraten jedes Schwein.

O, wie ist es zum Entzücken!

Ei, wer möchte dort nicht sein!

 

Und von Kuchen, Butterwecken

Sind die Zweige voll und schwer;

Feigen wachsen in den Hecken,

Ananas im Busch umher.

Keiner darf sich müh’n und bücken,

Alles stellt von selbst sich ein.

O, wie ist es zum Entzücken!

Ei, wer möchte dort nicht sein!

 

Und die Straßen aller Orten,

Jeder Weg und jede Bahn

Sind gebaut aus Zuckertorten,

Und Bonbons und Marzipan.

Und von Brezeln sind die Brücken

Aufgeführt gar hübsch und fein.

O, wie ist es zum Entzücken!

Ei, wer möchte dort nicht sein!

 

Ja, das mag ein schönes Leben

Und ein herrlich Ländchen sein!

Mancher hat sich hinbegeben,

Aber keiner kam hinein.

Ja, und habt ihr keine Flügel,

Nie gelangt ihr bis ans Tor,

Denn es liegt ein breiter Hügel

Ganz von Pflaumenmus davor.

 

*****

Vorschaubild: Schlaraffenland, 1567, Urheber: Pieter Brueghel der Ältere via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Morgen, morgen, nur nicht heute!
von Christian Felix Weiße
MEHR
Die kleinen Leute
von Christian Felix Weiße
MEHR
Unter Wasser Bläschen machen
von Joachim Ringelnatz
MEHR
Anzeige
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen