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Florian Russi
Der Drachenprinz

Märchen, Sagen und Geschichten aus der Mitte Deutschlands.

Der scheidende Sommer

Der scheidende Sommer

Heinrich Heine

Erfüllt von Melancholie und Trauer ist das Herbstgedicht Heines, welches er 1834 veröffentlichte. Die sterbende Natur lässt das lyrische Ich eine schmerzliche Trennung von einem geliebten Menschen erneut durchleben. Eine gewisse philosophische Grundstimmung vermischt sich mit romantischen Merkmalen. Denn nicht nur die Natur muss in jedem Jahr vergehen, sondern „alles was hold und lieblich, verwelkt und sinkt ins Grab“. Der „schmerzliche Sonnenschein“ symbolisiert das nahende Absterben der Pflanzenwelt. Die Sonne scheint zwar weiterhin in einem lieblichen Licht, wird aber überschattet von den sich ankündigenden Ereignissen. So wie bei einer schweren Krankheit sich die Symptome kurz vor dem Lebensende nochmal schwinden können und ein merkliches Aufleben ermöglichen, so bäumt sich ebenfalls die Natur in malerischen Impressionen nochmals auf. In der letzten Strophe wird in dem Vergleich „ich war der scheidende Sommer, du warst der sterbende Wald“ verdeutlicht, dass das lyrische Ich mit Wehmut auf die Entscheidung zurückblickt, den Sterbenden allein zurückzulassen.

Carolin Eberhardt


Das gelbe Laub erzittert,

Es fallen die Blätter herab;

Ach, alles was hold und lieblich,

Verwelkt und sinkt ins Grab.


Die Gipfel des Waldes umflimmert

Ein schmerzlicher Sonnenschein;

Das mögen die letzten Küsse

des scheidenden Sommers sein.


Mir ist, als müßt ich weinen

Aus tiefstem Herzensgrund;

Dies Bild erinnert mich wieder

An unsere Abschiedsstund'.


Ich mußte von dir scheiden,

Und wußte, du stürbest bald;

Ich war der scheidende Sommer,

Du warst der sterbende Wald.


*****

Bildquellen:

Vorschaubild: Bunte Blätter im Herbst, 2018, Urheber: jplenio via Pixabay CCO; Skulptur aus Stein (traurige Frau, 2019, Urheber: Candid_Shots via Pixabay CCO; neu bearbeitet von Carolin Eberhardt.

Verwitterte Statue, 2016, Urheber: OpenRoadPR via Pixabay CCO.

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