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Rüdiger Fikentscher

Deutschland und anderswo
Reiseerlebnisse im 19. Jahrhundert

»Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen«, dichtete einst Matthias Claudius. Wie recht er damit hatte, zeigt sich in den im Buch versammelten Originalberichten aus Tagebüchern und Briefen von Mitgliedern einer besonders reisefreudigen Familie über fünf Generationen. Sie reisten geschäftlich, wegen der Wissenschaft, um Bildung zu erwerben und persönliche Verbindungen zu stärken. Auf jeden Fall individuell, doch kaum, um sich zu erholen. Weder arm noch reich wanderten oder fuhren sie durch Deutschland, Österreich, Frankreich und England, kamen sogar nach Übersee.

Der Vogel und das Mäuschen

Der Vogel und das Mäuschen

Deutsche Internationale Schule Sharjah


Eines Morgens, am Fuße der Dünen,

saßen eine Gruppe Mäuse, im Sande, im Kühlen.

Sie alle tratschten,

klatschten und lachten.

Sie schwätzten und lästerten,

eben solche Sachen.

Am selben Morgen kam ein Junges;

So naiv, sowas dummes.

So lauschte das kleine Mäuschen der Debatte,

und auch noch eine ziemliche interessante!

Es ging um einen Vogel, einen Falken;

dessen Schatten glich denen von finsteren Gestalten.

»Er wollte, dass ich mich zeige, und fast hätte er mich geschnappt,

aber zu seinem Pech hat es bei mir nicht geklappt!«

Noch ganz aufgeregt vom Schildern der Geschichte war das Mäuschen,

und da lachten die Anderen, ganz aus dem Häuschen.

Da erschrak das junge Mäuschen und bekam Angst;

Das Eine führte zum Anderen, und so hatte es sich verschanzt.

Nicht viel später traf es ein kleines Vögelein,

dessen Gesang schmolz jedes Herz, und auch solches aus Stein.

Es hatte zwar keine Ähnlichkeit zum Falken,

aber genau für den hatte das Mäuschen es gehalten.

Herzpochend schaute es den Vogel an

und fragte sich, wann es sich vom Leben verabschieden kann.


Kopfneigend flog das Vögelein näher herbei

und fragte verwirrt was los denn sei.

Noch ängstlich näherte sich das Mäuschen,

und so fragte es: »Bist du nicht eine von den Bestien?«

»Wie kommst du darauf?«, zwitscherte der Singvogel amüsiert;

Und da guckte das Jungtier ebenso verwirrt.

»Du bist doch ein Vogel, nicht wahr?

Genau wie der große Falke, ist doch klar!«

Lächelnd und singend flog der Graudrossling um das Tier,

»Und du? Du hast Angst vor mir?«

»Ich bin zwar ein Vogel, aber nicht mal halb so gefährlich!

Nur große Vögel essen dich, sei doch mal ehrlich.

Mein Schnabel ist zu klein um dich zu schnappen,

und du zu groß als leckerer Happen!«

Langsam erlangte das kleine Mäuschen Verständnis

und schloss mit dem Drossling ein Bündnis.

Nicht jeder ist gleich. Man sollte nicht auf Gerüchte hören und Vorurteile zu einer Person haben, die ihr gar nicht kennt. Habt keine Angst, Neues zu lernen.

Oder:

Beurteile niemanden nur nach seinem Äußeren.

Finja Marie Horstmann, Klasse 8, Sharjah


*****

Textquelle:

Entnommen aus: Fabula Madrasa, Halle: mdv, 2020, S.20f.

Bildquelle:

Vorschaubild: Kaktus, 2020, Urheber: CryptoSkylark via Pixabay CCO; Dohle, 2017, Urheber: StarGlade via Pixabay CCO; Maus, 2019, Urheber: AkseniaPopova via Pixabay CCO; Wüste, 2014, Urheber: Quentin088 via Pixabay CCO; neu bearbeitet von Carolin Eberhardt.

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