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Die Päpste als Friedensvermittler

Der Kirchenhstoriker Stefan Samerski stellt die Friedenspolitik und -Arbeit des Heiligen Stuhls in der modernen Zeit heraus.

Winternacht 2

Winternacht 2

Gottfried Keller

Eine Nixe als Thema eines Wintergedichtes? Der Titel des vorliegenden Gedichtes liefert dafür zumindest keinen Hinweis. Das Gedicht entstand zwischen 1846 und 1847 während Gottfried Kellers Aufenthalt in Heidelberg.

Eine verschlafene, einsame und doch idyllische Kulisse erschafft Keller von der winterlichen Nacht. Kein Geräusch, noch nicht mal „ein Flügelschlag“, ist zu vernehmen. Das Licht der sternenreichen Nacht wird durch den „blendend“ weißen Schnee verstärkt. Selbst der See ist keiner Bewegung fähig. Umso mehr überrascht der Inhalt der folgenden Strophen. Denn das unbewegte, idyllische Winterbild wird gebrochen durch die unterseeische Bewegung eines phantastischen Baumes, welcher unter der Eisdecke des Sees nach oben wächst. Der Betrachter der Szene wird einer Nixe gewahr, welche an den Ästen des Baumes emporklettert und durch das „grüne Eis“ nach oben blickt. Doch egal wie sehr sie sich auch bemüht, das „Glase“ entpuppt sich als „harte Decke“, während die Nixe verzweifelt an der Oberfläche entlang tastet. Keller kann den Anblick ihres „dunkle(n) Antlitz(es)“ nie vergessen und hat es „immer, immer (…) im Sinn“. Hinsichtlich Kellers politischen Interesses stellt die Nixe vermutlich ein Symbol der im frühen 19. Jahrhundert aufkeimenden Einheitsforderungen dar. Das phantastische Wesen der Demokratie ist noch unter der Eisdecke eingeschlossen, versucht aber unablässig, an die Oberflächen zu gelangen. Die friedlich wirkende Winterlandschaft kann in diesem Zusammenhang als Ruhe vor dem Sturm betrachtet werden.

Carolin Eberhardt

Nicht ein Flügelschlag ging durch die Welt,

Still und blendend lag der weiße Schnee,

Nicht ein Wölkchen hing am Sternenzelt,

Keine Welle schlug im starren See.


Aus der Tiefe stieg der Seebaum auf,

Bis sein Wipfel in dem Eis gefror;

An den Ästen klomm die Nix herauf,

Schaute durch das grüne Eis empor.


Auf dem dünnen Glase stand ich da,

Das die schwarze Tiefe von mir schied;

Dicht unter meinen Füßen sah

Ihre weiße Schönheit Glied für Glied.


Mit ersticktem Jammer tastet sie

An der harten Decke her und hin.

Ich vergaß das dunkle Antlitz nie,

Immer, immer liegt es mir im Sinn!

*****

Bildquelle:

Vorschaubild: Verschneiter Wald, Inselsberg Thüringen; Carolin Eberhardt

Nixe, 2020, Urheber: GDJ via Pixabay CCO.

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