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Johann Joachim Winckelmanns Wirken auf Schloss Nöthnitz und in Dresden

Klaus-Werner Haupt

Nach rastlosen Jahren findet Johann Joachim Winckelmann auf dem nahe Dresden gelegenen Schloss Nöthnitz eine Anstellung als Bibliothekar. Die bünausche Bibliothek und die Kunstsammlungen der nahen Residenzstadt ermöglichen Kontakte mit namhaften Gelehrten. In ihrem Kreise erwirbt der Dreißigjährige das Rüstzeug für seine wissenschaftliche Karriere. Sein epochales Werk „Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Werke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst“ (1755) lenkt den Blick auf die Kunstsammlungen Augusts III. und ebnet den Weg nach Rom.

Winckelmanns Briefe, von denen mehr als fünfzig aus den sächsischen Jahren überliefert sind, lassen seinen Karrieresprung, aber auch seine persönlichen Nöte vor unseren Augen lebendig werden. Zwei Gastbeiträge über die jüngere Geschichte des Schlosses und die Visionen der Freunde Schloss Nöthnitz e. V. runden den Jubiläumsband ab.

Sei uns willkommen, Herre Christ

Sei uns willkommen, Herre Christ

Dies ist wohl das älteste bekannte deutsche Weihnachtslied und verdient diesen Titel nicht leichthin, sondern per schriftlichem Nachweis. Denn eine Originalnotation, welche in unserer Zeit, außer für Musikwissenschaftler, eher wie Hieroglyphen wirkt, ist aus der Regierungszeit Kaiser Ottos III. erhalten, welcher von 983 bis 1002 regierte. Diese Notation wurde von dem Domchor-Dirigenten Böckeler in einem Evangeliar des Kaisers im Münsterschatz zu Aachen gefunden, weswegen sie auch als „Aachener Fragment“ bezeichnet wird. In Anlehnung an ein ähnliches Lied aus der Erfurter Handschrift, veröffentlicht im Jahr 1394, konnten die Melodie und der Text rekonstruiert und an die moderne deutsche Sprache angepasst werden. Noch bis 1975 war das Lied im alten Gotteslob enthalten, das neue führt es nicht mehr. Jedoch kann es im Eigenteil der Diözese Limburg unter der Nummer 757 weiterhin gefunden werden.

Auch bekannt ist „Sei uns willkommen, Herre Christ“ unter dem Namen „Aachener Schöffenlied“ oder „Aachener Weihnachtslied“. Diesem Umstand verdankt es den alten Aachener Chroniken, die davon berichten, dass die Schöffen das Stück in der Christmette vom Chorgestühl des Aachener Münsters sangen. Nicht nur in Aachen wurde das Lied anscheinend gesungen. W. Bäumker, welcher auch das Werk „Das katholische deutsche Kirchenlied“ herausgab, berichtet in einem Beitrag im „Kirchenmusikalischen Jahrbuch“ von 1887 von der Tradition der Abtei Thorn an der Maas, wo es üblich war, dass näherkommende Schiffer das Lied sangen, um von der Äbtissin einen „Imbiss und einen Krug Wein“ zu erhalten. Auch führt Bäumker hier weiter auf, er habe die komplette Melodie in einem flämischen Gesangbuch des 17. Jahrhunderts entdeckt.

 

Der ursprüngliche Text aus dem „Aachener Fragment“ lautete:

Syt willekommen, heire kirst, want du unser alre herre bis.

Carolin Eberhardt

 

Sei uns willkommen, Herre Christ,

der du unser aller Herr bist,

sei willkommen, lieber Herre,

hier im Erdreiche recht in Ehren.

Kyrieleis.

Hier geht es zum Notendownload

 

*****

Textquellen:

Böckeler, Heinrich: Die Melodie des Aachener Weihnachtsliedes in: Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins, Band 11 (1889), S. 176f.

Borg, Tom: Sei uns willkommen, Herre Christ > https://www.lieder-archiv.de/sei_uns_willkommen_herre_christ-notenblatt_200015.html < abgerufen am 06.12.2023

Sei uns willkommen, Herre Christ in: Advents- und Weihnachtslieder, CDU-Bundesgeschäftsstelle (Hrsg.), München: Bertelsmann Verlagsgruppe.

 

Vorschaubild: 

Carolin Eberhardt, 2023.

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