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Sesenheimer Liebeslyrik

Florian Russi

Während seines Studiums in Straßburg lernte Johann Wolfgang von Goethe die Sesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion kennen. Die beiden verliebten sich ineinander und Goethe wurde durch Friederike zu wundervollen Gedichten angeregt.

Einige von ihnen (Heideröslein, Mailied, Willkommen und Abschied u. a.) zählen zu seinen besten und beliebtesten überhaupt. In diesem Heft sind sie vorgestellt und mit Bildern und Erläuterungen angereichert.

Die Gans

Die Gans

Gotthold Ephraim Lessing

Die Federn einer Gans beschämten den neugeborenen Schnee. Stolz auf dieses blendende Geschenk der Natur, glaubte sie eher zu einem Schwane, als zu dem was sie war, geboren zu sein. Sie sonderte sich von ihres gleichen ab, und schwamm einsam und majestätisch auf dem Teiche herum. Bald dehnte sie ihren Hals, dessen verräterischer Kürze sie mit aller Macht abhelfen wollte. Bald suchte sie ihm die prächtige Biegung zu geben in welcher der Schwan das würdigste Ansehen eines Vogels des Apollo hat. Doch vergebens er war zu steif, und mit aller ihrer Bemühung brachte sie es nicht weiter, als dass sie eine lächerliche Gans ward, ohne ein Schwan zu werden.

   

    

*****
Textquelle: - entnommen aus dem Buch; Jürgen Krätzer, „Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?", Bertuch Verlag GmbH Weimar, 2015, ISBN: 978-3-86397-44-4
     
Teaserfoto: pixabay, Urheber des Bildes: OpenClipartVectors; neu bearbeitet von Kati Spantig  (gemeinfrei, kein Bildnachweis nötig)  

 

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