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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Die Hungrige

Die Hungrige

Florian Russi

Eine Frau besuchte ihren Bruder auf einem großen Bauernhof. Sie war von weit her angereist, hatte länger nichts gegessen und erklärte dem Bruder, dass sie sehr hungrig sei. Der geriet ins Schwärmen über die Pläne, die er mit dem Bauernhof noch vorhatte.

„Ich habe den Bach, der durch mein Anwesen fließt, stauen lassen und für ein neues Bewässerungssystem gesorgt. Nun bin ich vom Wetter unabhängig und werde vor allem Gemüse anpflanzen. Das verkauft sich sehr gut. Im ganzen Land werde ich Abnehmer finden. Auf meinen Feldern gedeihen Kartoffeln, Bohnen, Erbsen, Karotten, auch Tomaten, Gurken und sogar Avocados. Ich habe Treibhäuser errichten lassen. Über das ganze Jahr verteilt werde ich reiche Ernte einfahren können. Kartoffeln werden zurzeit sehr gut gehandelt. Die Nachfrage ist groß. Auch mit einer Gänsezucht habe ich begonnen. Das hat mich viel Geld gekostet. Aber es lohnt sich. In jedem November, wenn die Zeit des Martinsgansessens ist, kann ich hunderte Gänse verkaufen. Ich kann gar nicht so viel liefern, wie verlangt werden. Die Ernährung vieler Menschen liegt in meinen Händen...“

Der Bruder wollte nicht aufhören zu erzählen, doch da unterbrach ihn seine Schwester energisch: „Es ist ja schön, dass du die Absicht hast, viele Menschen zu beliefern und zu versorgen. Ich aber habe jetzt Hunger. Gib mir wenigstens zwei Scheiben Brot.“

Fazit: Alles zu seiner Zeit.

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 Vorschaubild von Clker-Free-Vector-Images auf Pixabay

 

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