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Schinkel kämpft in seinen Fieberträumen um die Vollendung seines Bildes "Schloss am Strom". Er durchlebt auf seinem Krankenbett noch einmal sein erfülltes und von krankmachendem Pflichtgefühl gezeichnetes Leben und die Tragik des Architekten und Künstlers, der sich zum Diener des Königs machen ließ.

Roman

Der Weltuntergang

Der Weltuntergang

Florian Russi

In einem Land standen Neuwahlen zum Präsidentenamt an. Der amtierende Präsident regierte selbstherrlich und willkürlich. Die meisten Bewohner des Landes litten unter seinen Eskapaden und Fehlentscheidungen. Alle rechneten damit, dass er nicht wiedergewählt würde.

Die Stimmung im Land war getrübt. Viele Bewohner suchten Halt in den bestehenden Religionsgemeinschaften. Dort aber traten immer mehr Prediger auf, die verkündeten:

„Seht, der Weltuntergang ist nahe.“

„So muss es sein", sagten sich viele, und schließlich war fast die Hälfte der Bevölkerung davon überzeugt, den Weltuntergang noch persönlich zu erleben.

Der amtierende Präsident stellte sich erneut zur Wahl. Er selbst verstieß laufend gegen die Moral und Gebote der Religionsgemeinschaften, war geprägt von Rache und Missgunst. Doch er nutzte die Gelegenheit, die Bedeutung der Glaubensgemeinschaft hervorzuheben und förderte deren Sitten, solange er sich selbst nicht daran halten musste.

Sein Gegenkandidat war ein überzeugter Demokrat, der den Wohlstand des ganzen Volkes anstrebte und sich für Freiheit, Fairness und Verständigung einsetzte. Doch die Prediger traten vor ihre Anhänger und erklärten:

„Was sollen wir noch viel ändern, wenn sowieso die Welt bald untergeht. Da ist nicht die Zeit für lange Debatten, Rechtsverfahren oder Gesetzesänderungen. Bleiben wir also bei unserem bisherigen Präsidenten. Gott will es so.“

Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen, verkündeten sie ein Datum, an dem der Weltuntergang zu erwarten sei.

Der Präsident wurde wiedergewählt. Der Weltuntergang aber fand nicht wie angekündigt statt. Das brachte die Prediger ein wenig in Verlegenheit. Deshalb waren sie froh darüber, dass der Präsident feierlich verkündete:

„Es ist richtig, dass Gott, der Schöpfer, vorhatte, die Welt untergehen zu lassen. Doch ich habe mit ihm gesprochen und ihn überzeugt, den Untergang noch herauszuschieben. Gott wünscht, dass ich noch lange regiere. Das haben meine Wiederwahl und das ausgebliebene Weltende deutlich gezeigt.“

Fazit: Wo Dummheit vorherrscht, hat die Vernunft wenig Chancen.

Oder: Verstand lässt sich am leichtesten mit Angstmache ausschalten.

Oder: "Hütet euch vor den falschen Propheten.“ (Jesus, lt. Matthäus 7,15)

 

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Vorschaubild: krieg-katastrophe-apokalypse-6128646/, Urheber: Jeffrey Bonto auf Pixabay.

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