Deutschland-Lese

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Leben und Wirken des Schöngeistes und erfolgreichen Unternehmers im klassischen Weimar aufgezeigt und vorgestellt von Klaus-Werner Haupt.

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Der Kormoran

Der Kormoran

Florian Russi

Ein Kormoran flog zum Eingang der Notaufnahmestation eines Krankenhauses und klopfte mit seinem Schnabel an die gläserne Tür. Das sah ein Krankenpfleger und wunderte sich. Beim näheren Hinsehen stellte er fest, dass der Vogel einen Angelhaken unter seinem Schnabel stecken hatte, und dass der Schnabel von der Angelschnur umwickelt war. Auf solch einen Patienten war der Krankenpfleger nicht eingestellt. Er rief nach der Feuerwehr, die sofort mit zwei Spezialisten kam. Sie näherten sich vorsichtig dem Kormoran, der sich von ihnen packen, festhalten und verarzten ließ. Haken und Schnur wurden behutsam entfernt und der Kormoran wieder auf einer Wiese in der Nähe eines Teichs ausgesetzt. Anschließend berieten die Beteiligten über den Fall und zogen auch einen prominenten Vogelkundler hinzu. „So schön diese Geschichte ist, so muss ich doch sagen, dass es reiner Zufall war. Kein Kormoran weiß, was ein Krankenhaus ist, und dass man von dort aus die Feuerwehr zu Hilfe rufen kann.“

Der Kormoran aber spannte glücklich sein Gefieder und fing sich im Teich einen Fisch. Dann flog er zu seinem Freund, einem anderen Kormoran, und erzählte ihm von seinem Abenteuer. Gemeinsam flogen sie dann zum Marktplatz eines nahe gelegenen Städtchens. Dort stand eine bedeutende Statue, die Figur eines Riesen, die kunstvoll aus Marmorfelsgestein herausgehauen worden war. Die beiden Kormorane nahmen auf den Schultern des Riesen Platz. Da sagte unser Kormoran zu seinem Freund: „Ist es nicht erstaunlich, zu welchen Kunstwerken die Menschen fähig sind?“

„Das war reiner Zufall“, antwortete der Freund. „Ich kenne die Menschen. Sie sind eitel und dumm. Kein Mensch wäre in der Lage, so eine großartige Figur zu schaffen.“ Sprach’s, und ließ seinen Kot auf die Schulter des Riesen fallen. „Außerdem sind sie viel zu dumm, um solche Kunst zu schaffen.“

Fazit: Menschen und Tiere wissen noch nicht viel voneinander.

Oder: Es ist immer schöner, wenn sich Erdenbewohner freundlich begegnen.

Oder: Tierliebe ist menschlich.

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