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Krabat

Florian Russi | Andreas Werner

Krabat ist die bekannteste Sagenfigur aus der Oberlausitz. Das Müllerhandwerk und das Zaubern hatte er vom "schwarzen Müller" erlernt, von dem man gemunkelte, dass er mit dem Teufel im Pakt stand. Irgendwann musste es zum Machtkampf zwischen Meister und Schüler kommen.

Die Hauptwirkungsstätte Krabats war die Mühle in Schwarzkollm, einem Dorf, das heute zu Hoyerswerda gehört. Die Mühle besteht noch und hat nach umfänglicher Restaurierung nichts von ihrer Romantik und Magie verloren. Seit 2012 finden hier die Krabat-Festspiele statt.

Prinz William und Caroline von Linsingen

Prinz William und Caroline von Linsingen

Hermann Multhaupt

Englischer Thronanwärter heiratete heimlich ein deutsches Edelfräulein

Kirche von Hattensen
Kirche von Hattensen

In der Nähe von Ottenstein, an der Landesgrenze zu Niedersachsen, nicht weit von Bad Pyrmont, befindet sich in freier Feldflur, heute umgeben von einem Friedhof, eine historisch ansehnliche Kapelle. Wahrscheinlich ist die einstige Pfarrkirche ein Überbleibsel des Dorfes Hattensen, das in den Wirren des „Eversteiner Erbfolgekrieges“ 1404 bis 1409 verlassen wurde. Die Kapelle ist in ihrer Bauweise spätromanisch und wurde wahrscheinlich im 13. Jahrhundert errichtet. Ein Ottensteiner Bürger, der in Amerika zu Reichtum gelangte, August Siburg, sorgte nach seiner Rückkehr in die Heimat 1885 für die erste Renovierung, der noch weitere folgen sollten. Der von einem Blitzschlag getroffene Turm wurde 1899 ersetzt.

In der Kapelle von Hattensen fand am 21. August 1791 eine heimliche Hochzeit statt. Es handelt sich um die Verbindung des englischen Prinzen William, Herzog von Clarence und Sohn des englischen Königs Georg III., mit dem Edelfräulein Caroline von Linsingen, der Tochter  eines Generals aus Hannover, der in nahen Beziehungen zur englischen Krone stand. Caroline wurde am 27. November 1768 geboren. 22-jährig lernte sie den 25-jährigen englischen Thronfolger im Hause des Offiziers in Hannover kennen und lieben, und auch William verliebte sich in das gut aussehende Edelfräulein. Ein Jahr später heirateten sie heimlich in der Kapelle. Ein schottischer Geistlicher namens Parsons nahm die Trauung rechtens vor. Doch die Verbindung konnte nicht verborgen bleiben. Als der englische Hof davon erfuhr, drängte er William, die Ehe aufzugeben und sich scheiden zu lassen, denn Caroline war nicht standesgemäß. Treibende Kraft war Williams Mutter, Königin Charlotte Sophie, eine geborene Prinzessin aus dem Hause Mecklenburg-Strelitz. Caroline soll in dieser Zeit bereits schwanger gewesen sein. Nach heftigen inneren Kämpfen willigten beide Eheleute in die Scheidung ein. Später wird man behaupten, Caroline habe eine Totgeburt erlitten. Doch vermutlich kam ihr Kind Hans Georg unter dem Namen Meyer zu Pflegeeltern in Hannover.

Bald nach der Scheidung wurde Caroline von Linsingen krank. Wahrscheinlich hatte sie die Trennung von ihrem Gatten nicht verwunden. Sie fiel schließlich in einen heftigen Starrkrampf, dem Scheintod ähnlich, und wurde tatsächlich von den Ärzten für tot erklärt. Jemand, der nicht an die Diagnose glaubte, war der aus Hildesheim stammende Mediziner und Chemiker Dr. Adolf Meineke. Es gelang ihm, Caroline zu reanimieren. Später kam es zwar mehrmals zu ähnlichen Ausfallerscheinungen, doch nun ist das Edelfräulein zum zweiten Mal zur Welt gekommen. Sie hat Fähigkeiten, die dem „zweiten Gesicht“ ähneln.

Nach dem Tod ihres Vaters heiratete Caroline von Linsingen den Arzt Dr. Meineke, eher aus Achtung und Dankbarkeit denn aus Liebe. In Berlin versuchten beide Fuß zu fassen, doch der Betrieb des Chemikers musste in den Kriegswirren der Napoleonischen Zeit 1809 geschlossen werden.

Hugo Franz Altgraf von Salm trug Dr. Meineke das Angebot an, eine Stellung in seinem Eisenhüttenbetrieb in Böhmen anzutreten. So übersiedelte das Ehepaar ins Schloss Blansko. Dort wurde die gemeinsame Tochter Henriette geboren, die später den Verwalter der Blanskoer  Eisenhüttenwerke, Carl Teuber, heiratete. Dr. Meineke eröffnete einen Textilbetrieb in Moravska Třebová, wo die Eheleute in den Folgejahren gemeinsam lebten. Als Caroline 1814 zu ihrer Tochter nach Blansko reiste, starb sie bald darauf unerwartet im Alter von erst 46 Jahren im Hause Treubner. Ihr Grab in Blansko ist nicht mehr erhalten, doch die Erinnerung an sie wird durch eine Gedenktafel an der Martinskirche lebendig gehalten.

Hartnäckig hielt sich das Gerücht, Caroline habe William auch später bis zu ihrem Tod unzählige Liebesbriefe geschrieben. Sie hat ihn nicht vergessen können. Beide sahen sich nie wieder. Der Herzog von Clarence bestieg als William IV. den englischen Thron.

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Teaserbild: Caroline und der Prinz im Park von Pyrmont; Holzschnitt nach einem Ölbild von Arthur von Ramberg

Foto der Kapelle von Hermann Multhaupt

 

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