Deutschland Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.deutschland-lese.de
Unser Leseangebot

Familie Stauffenberg: Hitlers Rache

Ursula Brekle

Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg war als Ehefrau von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Schlüsselfigur im Widerstand gegen Hitler, von Anfang an in die Widerstandspläne ihres Mannes einbezogen. Sie bewies Mut und Stärke, obwohl sie nach der Ermordung ihres Mannes im Gefängnis und im KZ leben musste. Auch durch den Verlust von Angehö-rigen durchlebte sie eine leidvolle Zeit. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 drohte Himmler:
„Die Familie Stauffenberg wird ausgelöscht bis ins letzte Glied.“
Vor Ihnen liegt die spannungsreiche Geschichte, die beweist, dass es Himmler nicht gelungen ist, die Drohung wahrzumachen. Die jüngste Tochter von fünf Geschwistern Konstanze wurde noch während der mütterlichen Haft geboren. Sie berichtete vom 90. Geburtstag ihrer Mutter Nina, auf dem über 40 Nachkommen zusammengekommen waren. Die Nationalsozialisten haben trotz Hinrichtungen und perfider Sippenhaft nicht gewonnen.

Bertran de Born

Bertran de Born

Ludwig Uhland

Der Philosoph Karl Jaspers (1883-1969) hat sie als seine Lieblingsballade bezeichnet, weil sie den Sieg des Geistes über politisch-militärische Macht besinge. Ludwig Uhland (1787-1862) schrieb sie im Jahr 1829. Er hatte sich 1810/11 bei einem Studienaufenthalt in der Pariser Nationalbibliothek auch mit alten französischen Handschriften befasst.

Held der Ballade ist der französische Baron Bertran de Born (vor 1140 bis 1215), der zu den bedeutendsten Troubadouren (Minnesängern) gehörte und viele Jahre auch Weggefährte des englischen Königs Richard Löwenherz (1157-1199) war. Siebenundvierzig seiner Werke sind überliefert, davon können ihm 36 eindeutig zugeordnet werden. Er schrieb einige Liebeslieder, von denen eines der zweiten Gemahlin Heinrichs des Löwen, der englischen Königstochter Mathilde gewidmet ist. Vor allem aber verfasste Bertran de Born kriegerische Gedichte und sog. „Sirventes" (Dienergedichte). Bei letzteren handelte es sich um Dichtungen, in denen kritisch zu Ereignissen oder den Ideen und dem Verhalten von Zeitgenossen Stellung genommen wurde.

Florian Russi

 

Droben auf dem schroffen Steine
Raucht in Trümmern Autafort,
Und der Burgherr steht gefesselt
Vor des Königs Zelte dort:
"Kamst du, der mit Schwert und Liedern
Aufruhr trug von Ort zu Ort,
Der die Kinder aufgewiegelt
Gegen ihres Vaters Wort?

Steht vor mir, der sich gerühmet
In vermeßner Prahlerei:
Daß ihm nie mehr als die Hälfte
Seines Geistes nötig sei?
Nun der halbe dich nicht rettet,
Ruf den ganzen doch herbei,
Daß er neu dein Schloß dir baue,
Deine Ketten brech entzwei!"

"Wie du sagst, mein Herr und König!
Steht vor dir Bertran de Born,
Der mit einem Lied entflammte
Perigord und Ventadorn,
Der dem mächtigen Gebieter
Stets im Auge war ein Dorn,
Dem zuliebe Königskinder
Trugen ihres Vaters Zorn.

Deine Tochter saß im Saale,
Festlich, eines Herzogs Braut,
Und da sang vor ihr mein Bote,
Dem ein Lied ich anvertraut,
Sang, was einst ihr Stolz gewesen,
Ihres Dichters Sehnsuchtlaut,
Bis ihr leuchtend Brautgeschmeide
Ganz von Tränen war betaut.

Aus des Ölbaums Schlummerschatten
Fuhr Dein bester Sohn empor,
Als mit zorngen Schlachtgesängen
Ich bestürmen ließ sein Ohr.
Schnell war ihm das Roß gegürtet,
Und ich trug das Banner vor,
Jenem Todespfeil entgegen,
Der ihn traf vor Montforts Tor.

Blutend lag er mir im Arme;
Nicht der scharfe, kalte Stahl -
Daß er sterb in deinem Fluche,
Das war seines Sterbens Qual.
Strecken wollt er dir die Rechte
Über Meer, Gebirg und Tal,
Als er deine nicht erreichet,
Drückt er meine noch einmal.

Da, wie Autafort dort oben,
Ward gebrochen meine Kraft;
Nicht die ganze, nicht die halbe
Blieb mir, Saite nicht, noch Schaft.
Leicht hast du den Arm gebunden,
Seit der Geist mir liegt in Haft;
Nur zu einem Trauerliede
Hat er sich noch aufgerafft."

Und der König senkt die Stirne:
"Meinen Sohn hast du verführt,
Hast der Tochter Herz verzaubert,
Hast auch meines nun gerührt.
Nimm die Hand, du Freund des Toten!
Die, verzeihend, ihm gebührt.
Weg die Fesseln! Deines Geistes
Hab ich einen Hauch verspürt."

Ludwig Uhland (1787 - 1862)

----

Bildquelle: Bertran de Born; Darstellung aus Bibliothèque Nationale, MS cod. fr. 12473, 13. Jahrhundert; gemeinfrei - wapedia: http://wapedia.mobi/de/Datei:Bertran_de_Born_-_BN_MS_fr_12473.jpg

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Der Handschuh
von Friedrich Schiller
MEHR
Krieg und Frieden
von Detlev von Liliencron
MEHR
Der Sänger
von Johann Wolfgang von Goethe
MEHR
Die Schnitterin
von Gustav Falke
MEHR
Der Fischer
von Johann Wolfgang von Goethe
MEHR
Anzeige