Deutschland Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.deutschland-lese.de
Unser Leseangebot

Friedrich Albrecht
Kennst du Anna Seghers?

Von den Träumen, den Werken und dem Leben der Anna Seghers, das man kurz als aher abenteuerlich bezeichnen kann, erzählt dieses Buch. 

Die Kutsche und die Fliege

Die Kutsche und die Fliege

Jean de La Fontaine

Eine von sechs Gäulen gezogenen Landkutsche bahnte sich mühsam ihren Weg durch ein unwegsames Gelände.

Schließlich blieben sie im Sand stecken und alles Bemühen der Gäule und des Kutschers, sie daraus zu befreien, waren erfolglos. Der Kutscher bat deshalb seine drei Fahrgäste, ein Mönch, eine junge Frau und ein Greis, aus der Kutsche auszusteigen und sie so zu entlasten.

Die drei taten es. Der Mönch zückte sein Brevier hervor und begann zu beten. Die junge Frau ging auf und ab und begann, Lieder zu singen und der Greis setzte sich auf einen in der Nähe befindlichen Baumstumpf und trug Balladen vor, die er in der Schule gelernt hatte.

Das alles beobachtete eine Fliege, die in der Nähe herumschwirrte. „Da müssen Wesen wie ich ran“, sagte sie zu sich selbst. „Ich allein bin in der Lage, die Gäule voranzutreiben“.

Sie flog auf die Pferde zu, zog brummend hin und her und stach sie eines nach dem anderen in Rücken, Kopf und Flanken. Dann setzte sie sich auf die Nase des Kutschers und stach auch ihn. “So muss man es machen, wenn man die Kutsche wieder in Gang bringen will.“

Nach vielen Anstrengungen und Flüchen gelang es dem Kutscher mit seinen Gäulen schließlich, die Landkutsche frei zu karren und die Fahrt fortzusetzen.

Am Zielort stiegen die Fahrtgäste aus, ohne sich förmlich zu verabschieden.

Die Fliege, die den Rest der Reise auf dem Rücken der Pferde mitgemacht hatte, flog auf, ließ wieder ein lautes Brummen ertönen und sagte: “So sind die Menschen. Keiner bedankt sich bei mir. Dabei war ich es doch, die den Erfolg der Reise erst möglich gemacht hat.“


Fazit:

La Fontaine meint dazu:

„Manche Leute tun geschäftig, drängen sich dreist vor und tun, als wären sie notwendig. Dabei sind sie nur lästig. Drum ist gut, man jagt sie fort.“

*******

nacherzählt von Florian Russi

Bild: Pixabay gemeinfrei

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Der Wolf und der Hund
von Jean de La Fontaine
MEHR
Die Hündin und ihre Freundin
von Jean de La Fontaine
MEHR
Der Fuchs und die Truthähne
von Jean de La Fontaine
MEHR
Der Alte und die drei Jungen
von Jean de La Fontaine
MEHR
Anzeige