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Familie Stauffenberg: Hitlers Rache

Ursula Brekle

Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg war als Ehefrau von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Schlüsselfigur im Widerstand gegen Hitler, von Anfang an in die Widerstandspläne ihres Mannes einbezogen. Sie bewies Mut und Stärke, obwohl sie nach der Ermordung ihres Mannes im Gefängnis und im KZ leben musste. Auch durch den Verlust von Angehö-rigen durchlebte sie eine leidvolle Zeit. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 drohte Himmler:
„Die Familie Stauffenberg wird ausgelöscht bis ins letzte Glied.“
Vor Ihnen liegt die spannungsreiche Geschichte, die beweist, dass es Himmler nicht gelungen ist, die Drohung wahrzumachen. Die jüngste Tochter von fünf Geschwistern Konstanze wurde noch während der mütterlichen Haft geboren. Sie berichtete vom 90. Geburtstag ihrer Mutter Nina, auf dem über 40 Nachkommen zusammengekommen waren. Die Nationalsozialisten haben trotz Hinrichtungen und perfider Sippenhaft nicht gewonnen.

Der König in Thule

Der König in Thule

Johann Wolfgang von Goethe

Nur, wer die Sehnsucht kennt...

Es war einmal ein König, er herrschte über Thule, dem nach griechischen Sagen nördlichsten Inselreich der Erde. Er hatte eine Geliebte, der er treu verbunden war. Bevor sie starb, schenkte sie ihm einen goldenen Becher als Zeugnis ihrer Liebe und Treue. Diesen Becher hielt der König in höchsten Ehren. Bei festlichen Anlässen („Schmaus") trank er daraus, und er trank sehr viel („die Augen gingen ihm über"), sein Liebeskummer ist ihm der Anlass dafür. Auch wenn er Ritterrunden abhält, hebt er den Becher. Das erinnert an König Artus und den Gral.

Alles ist der König bereit, seinen Erben weiterzugeben, nur eines nicht, den goldenen Becher. Er ist das Symbol seiner einzigartigen Liebe und nicht für andere gedacht. Deshalb wirft er ihn ins Meer, wo er in der Tiefe versinkt.

Goethe schrieb den König in Thule im Jahr 1774 und baute ihn in sein Faustdrama ein. Gretchen singt die Verse und denkt und hofft dabei auf Liebe und Treue zwischen ihr und Heinrich Faust, eine Hoffnung, die nicht in Erfüllung geht. Dies macht auch die Ballade zu einem Ausdruck der Sehnsucht und nicht zu einer geschichtlichen Reflexion.

Florian Russi

Es war ein König in Thule,
Gar treu bis an das Grab,
Dem sterbend seine Buhle
Einen goldnen Becher gab.

Es ging ihm nichts darüber,
Er leert' ihn jeden Schmaus;
Die Augen gingen ihm über,
So oft er trank daraus.

Und als er kam zu sterben,
Zählt' er seine Städt' im Reich,
Gönnt' alles seinen Erben,
Den Becher nicht zugleich.

Er saß beim Königsmahle,
Die Ritter um ihn her,
Auf hohem Vätersaale,
Dort auf dem Schloß am Meer.

Dort stand der alte Zecher,
Trank letzte Lebensglut,
Und warf den heil‘gen Becher
Hinunter in die Fluth.

Er sah ihn stürzen, trinken
Und sinken tief ins Meer,
Die Augen täten ihm sinken,
Trank nie einen Tropfen mehr.

 

*****

 - Vorschaubild: Die mythische Insel Thule. Ausschnitt aus der Carta Marina, gezeichnet 1539 von Olaus Magnus. Quelle: wikimedia commons

 

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