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Die Legende vom Tannhäuser

Die Legende vom Tannhäuser

Carolin Eberhardt

Legende, Historie oder etwas von beidem?

Die Geschichte des liebeskranken singenden Ritters ist neben dem Nibelungenlied wohl eine der ältesten deutschen Volkssagen, die in vielen Liedern, Gedichten und Erzählungen aufgegriffen wurde. Besonders bekannt ist die Figur des Tannhäusers vermutlich durch die Oper Richard Wagners mit dem Titel „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg“. Aber auch die Gebrüder Grimm haben in ihrer Publikation „Deutsche Sagen, Band 1“ die Geschichte aufgegriffen. In einigen historischen Quellen finden sich Anhaltspunkte für die tatsächliche Existenz des legendären Ritters.

Der Dichter und Minnesänger Tannhäuser veröffentlichte in den Jahren zwischen 1240 und 1270 viele Lieder und war mit diesen als wandernder Sänger überall, besonders auch an den Höfen der deutschen Fürsten, unterwegs. Der Name Tannhäuser hat sich über die Zeiten fest mit dem sogenannten Venusberg, der heutige Hörselberg, verknüpft. Der aus Franken stammende Ritter selbst bemerkte in einer schriftlichen Überlieferung, dass er in Nürnberg sehr bekannt gewesen sei. Ob der in der Oberpfalz vorkommende Stadtname Tannhausen ihm seinen Namen verdankt, ist nicht sicher geklärt, aber zu vermuten. Denn der wandernde Sänger ist viel und weit gereist, sogar über die Meere soll ihn sein Weg geführt haben. Des Öfteren und am Liebsten aber hielt er sich an den Höfen deutscher Fürsten auf, besonders wohlgesonnen waren Tannhäuser die beiden Herzöge Friedrich der Streitbare von Österreich und der Otto VI. von Bayern. Beide sollen ihn in den höchsten Tönen für seine Kunst gelobt und ihn gefördert haben.

Anhand seiner veröffentlichten Lieder lässt sich durchaus sein Lebensstandard ablesen. Zu Beginn scheint er gut situiert gewesen zu sein, denn er sagt, ihm sei es gut ergangen, so lange er etwas zu verpfänden gehabt hätte. Thematisch erscheint die Venus oft in seinen Gesängen, viele seiner Titel stellen sich als lustige Tanzlieder dar.

In späteren Werken klagt er über seine Armut, zunächst mit gutem Humor, dann später mit Verbitterung. Insbesondere nach dem Tod seines Gönners Herzog Friedrich von Österreich im Jahr 1246 bezeichnet Tannhäuser sein Leben als ein „kummervolles“ und spricht von sich selbst als einem „mühbeladenen Mann“. Die Lieder werden dementsprechend ernster, die letzten veröffentlichten Stücke sind Bußlieder, in denen er seine Schuld bekennt und Gott um Vergebung bittet. Auch die als Himmelsgöttin bezeichnete Maria ist in diese Gebete eingeschlossen.

Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts entwickelte sich folgende Geschichte um den Tannhäuser zur Volkssage:

Nach seiner langen Wanderschaft durch die Welt, nachdem er viele Wunder gesehen hatte, kam Tannhäuser auch an den Venusberg. Seine Neugier war groß, als er am Fuße des Berges einen Höhleneingang entdeckte, und so beschloss er, sein Glück zu wagen und sich Eintritt zu verschaffen. Was er dann erblickte, war so überwältigend, dass er seine Augen nicht abwenden konnte. Dort saß, bezaubernd und leibhaftig, die Göttin Venus in ihrem glitzernden und funkelnden Kleid, welches die Sonnenstrahlen und die Leuchtkraft der Sterne gleichermaßen in sich trug.  Umringt war sie von ihren treuen Jungfrauen, von denen eine schöner war als die andere, von denen aber keine so bezaubernd war wie Venus selbst. Die Göttin lud Tannhäuser ein, bei ihnen zu verweilen, und da der Ritter von ihr so liebevoll umhegt und mit allem versorgt wurde, was zum Leben nötig war, so vergaß er über die Zeit die Welt, die sich außerhalb des Berges befand. Nach langer Zeit aber meldete sich sein Gewissen, er wurde sich bewusst, dass er sich als christlicher Ritter nicht weiter mit heidnischen Frauen abgeben konnte. Und er beschloss, den Berg zu verlassen und um Vergebung für diese Sünde zu bitten. Die Göttin aber wollte ihn nicht gehen lassen und versuchte, ihn zum Bleiben zu bewegen. So versprach sie ihm: „Herr Tannhäuser, ihr sollt bei mir blleiben und die schönste von meinen Gespielinnen zum Weibe haben.“ Der Ritter aber blieb standhaft und erwiderte: „Ich habe mir eine andere Herrin erwählt, der ich dienen will, das ist die himmlische Jungfrau Maria. Die will ich bitten um die Seeligkeit meiner Seele, damit ich nicht ewig in der Höllenglut schmoren muss.“ Frau Venus ließ nicht von ihren Überredenskünsten ab und versuchte, weiter, den Tannhäuser mit den verlockendsten Angeboten zu überreden. Da wurde es diesem zu viel, er sprang auf und rief: „Du bist eine Teufelin und ich will nichts wissen von eurem roten Mund. All mein Sinn ist mir zerstört und mein Leben ist hier und ewig verloren, wenn ich länger noch bei euch bleibe.“ In größter Erregung warf er sich auf seine Knie, faltete die Hände und rief: „Hilf mir, Maria, himmlische Maid, von diesem Ort der Sünde.“

Durch diese Worte hatte die Venus keine Macht mehr über ihn und er konnte den Berg verlassen. Weil er so tiefe Reue empfand, führte ihn sein Weg nach Rom, und je näher er der Stadt kam, umso fröhlicher war ihm zumute. Er hoffte, durch den Papst Urban Vergebung für seine Sünden zu erhalten. Also trat er, den Kopf gesenkt, vor den Papst und beichtete ihm seine Sünde: „Ich bin ein Jahr in Frau Venus Berg gewesen. Nun legt mir eine Buße auf, dass meine Seele gerettet werde und ich einst Gottes Antlitz schauen möge.“

Der Papst hatte einen Stab in der Hand und sprach zu dem Ritter: „So wenig dieser dürre Stab, den ich in meiner Hand halte, noch grünen und Blätter treiben wird, so wenig kann Euch diese Sünde vergeben werden.“

Und so wanderte Tannhäuser voller Kummer und Leid von Rom aus wieder zurück, und da er nicht wusste, wohin mit seiner sündenbehafteten tonnenschweren Last, so zog es ihn zurück in den Hörselberg zur Venus. Dort wurde er durch die Göttin mit voller Freude in Empfang genommen.

Drei Tage aber, nachdem der Papst sein hartes Urteil über Tannhäuser gesprochen hatte, begann der Stab des Papstes zu grünen und trug zarte Knospen und Blätter. Voller Entsetzen und voller Überraschung musste der Papst feststellen, dass Gott durchaus bereit war, dem Ritter seine Sünden zu vergeben. Und so schickte er in alle Winkel des Landes Boten aus, um Tannhäuser zu finden. Doch keiner hat ihn je im Hörselberg gefunden und so sitzt er vielleicht heute noch dort, voller Trauer über das Urteil des Papstes.

Zu der Geschichte ist unter dem Titel „Tannhäuser“ eine Legendenballade überliefert, aus der ein Auszug folgt:

  1. Nun will ich aber heben an,
    Tannhäuser zu besingen
    und was er Wunders hat getan
    mit Frau Venussinnen.
  2. Der Tannhäuser war ein Ritter gut,
    er wollt groß Wunder schauen;
    da zog er in Frau Venus Berg
    zu andern schönen Frauen.

 (…)

(Heinrich Kornmann, „Mens Veneris, Fraw Verneris Berg, Frankfurt am Main, 1614)

In einigen Quellen wird das Volkslied unter dem Titel „Tannhauser“ genannt, die oben aufgeführte Version entstammt dem Deutschen Liederhort von 1856. Die Entstehungszeit des Liedes reicht sogar in das Jahr 1614 zurück, zumindest wurde es in diesem Jahr gedruckt. Auf Grund der zeitlichen Nähe zu den Lebzeiten Tannhäusers, kann durchaus vermutet werden, dass der besungene Held identisch mit dem Dichter ist. In der Publikation „Deutsche Sagen“ aus dem Jahre 1874 wird die Sage des Tannhäusers, seltener Tannhausers, auch auf den Ritter und Dichter bezogen.

 

*****

Textquellen:

Richter: Albert: Deutsche Sagen, zweite Auflage, Leipzig: Friedrich Brandstetter, 1874, S.326-333.

Grimm, Jakob; Grimm, Wilhelm (Hrsg.): Deutsche Sagen, Band 1, Berlin: Nicolaische Buchhandlung, 1816, S. 246f.

Deutscher Liederhort: Auswahl aus vorzüglichen deutschen Volksliedern aus der Vorzeit und der Gegenwart mit ihren eigentümlichen Melodien, Erk, Ludwig (Hrsg.), Leipzig: Verlag von Breitkopf und Härtel, 1856, S. 89.

Tannhäuser-Legende: neu erzählt von Carolin Eberhardt.

 

Bildquellen: 

Karl Russ - Die Tannhäuser-Legende - 6183 - Belvedere, 1825 via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Codex Manesse Tannhäuser, 1305, Urheber: Meister des Codex Manesse via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Der Tannhäuser beim Papst: Piloty-Tannhauser, 1890, Urheber: Ferdinand von Piloty via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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