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Das verlassene Krankenhaus bei Tschernobyl

Nic

Heft, 28 Seiten, 2020 - ab 23 Nov. erhältlich

Die Stadt Prypjat liegt nur 3 Kilometer von Tschernobyl entfernt. Im hiesigen Krankenhaus wurden unmittelbar nach der Explosion des Atomreaktors die ersten stark verstrahlten Opfer behandelt. Viele von Ihnen sind an der massiven Strahlenbelastung gestorben.

Am 27. April 1986, einen Tag nach der Nuklearkatastrophe, wurde die Prypjat evakuiert. Seither ist die Stadt, wie auch das hier gezeigte Krankenhaus verwaist. 30 Jahre Leerstand hinterlassen Ihre Spuren. Nic führt uns auf einem Rundgang durch verlassene Gänge vorbei an verfallenen OP-Sälen und Behandlungszimmern.

Für alle Fans von Lost Places.

Ab 4 Heften versenden wir versandkostenfrei.

Reformationstag

Reformationstag

Carolin Eberhardt

Vor über 500 Jahren konnte die evangelische Kirche sozusagen ihre Wiedergeburt feiern. Als Vater und gleichzeitig Geburtshelfer kann Martin Luther identifiziert werden, der im Jahr 1517, laut Überlieferung, seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche genagelt hat. Laut Überlieferung, weil umstritten ist, ob sich der Thesenanschlag in dieser Form und zu diesem Zeitpunkt so zugetragen hat. Natürlich war es nicht alleinig Luthers Verdienst, dass sich die evangelische Kirche weiter etablieren konnte. Zu nennen sind Wegbereiter wie Melanchthon, Zwingli und Calvin. Und auch diese und Luther zusammengenommen können dennoch nicht als Gründer der evangelischen Kirchen betrachtet werden.

Denn die evangelische Kirche ist, laut einigen Quellen bzw. Ansichten, viel älter, sie fand ihren Ursprung im Wirken Jesu und seiner Apostel. Dennoch ist der Reformationstag in der evangelischen Kirche sehr wichtig, erinnert er doch an die Reformation, an die Erkenntnis, dass die Kirche sich in ihrem Ursprung stets neu orientieren und reformieren muss. Demnach ist der Reformationstag kein Gedenktag, der an die Geburt der evangelischen Kirche, sondern an die Reformation selbst erinnern soll.

Der Thesenanschlag Luthers kann nicht als spontaner Akt betrachtet werden, dem Ereignis gingen langjährige wissenschaftliche Studien Luthers als Professor für Bibelwissenschaften voraus. Das zentrale Problem seines Arbeitens stellte dabei das Verständnis der „Gerechtigkeit Gottes“ dar. Damit einher ging die Frage nach dem gerechten Gott und der Rechtfertigung des Menschen. Weiterhin bezog Luther in seine Studien auch Kritik an der Gesellschaft seiner Zeit ein. Er kritisierte insbesondere die weltlichen Fürsten, die für Raub und Diebstahl weder angeklagt noch verurteilt wurden. Aus der Zeit von 1513 bis 1517 sind heute 50 Predigten Luthers erhalten, die sich hauptsächlich an seine Ordensgenossen, seine Studenten und Predigthörer richteten.

Der eigentliche Thesenanschlag in Wittenberg hatte wohl nicht die ersehnte Reaktion, nämlich die, ein wissenschaftlich-theologisches Streitgespräch anzustrengen. Die Tür der Schlosskirche galt wohl zu diesem Zeitpunkt als Schwarzes Brett der Universität. Hier platzierte Luther zwar seine Thesen, erhielt aber von den auswärtigen Theologen, unter anderem von den Bischöfen Albrecht von Mainz und Hieronymus Schulze von Brandenburg, auch auf seine schriftlich erfolgte Einladung zum Streitgespräch zunächst keine Reaktion. Der heute erhaltene Brief Luthers an seinen Bischof, datiert mit „Wittenberg 1517, am Abend vor Allerheiligen“ war mit dem folgenden Zusatz versehen:

„Wenn es euch, hochwürdiger Vater, beliebt, möget ihr meine beiliegenden Streitsätze ansehen, damit ihr erkennt, was für eine unsichere Sache die Auffassung vom Ablaß ist, wenn auch die Ablaßprediger ihre Sache für unbedingt gewiß halten. Euer unwürdiger Sohn Martinus Luther, Augustiner, berufener Doktor der Theologie.“

Im Mittelpunkt der Thesen stand die Kritik an der Ablasspraxis. Luther verbreitete zeitnah nach dem berühmten Anschlag seine Thesenreihe in Erfurt und anderen Städte, woraufhin seine Thesen ins Deutsche übersetzt wurden und innerhalb kürzester Zeit in ganz Deutschland Verbreitung zu finden waren.

Der 31. Oktober wurde bereits 100 Jahre später in den meisten lutherischen und reformierten Gebieten als Gedenktag begangen. 1667, zum 150. Jahrestag des Thesenanschlags, setzte Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen den Reformationstag für alle Protestanten einheitlich als Feiertag fest. Auch nach den Jubiläen 1717 und 1817 feierte man das Reformationsfest, in einigen Regionen, z.B. in Preußen wurde es allerdings auf den Sonntag nach dem 31. Oktober gelegt. Ausgerechnet die Wiege der Reformation, nämlich Wittenberg, wurde dieses Schicksal 1815 zu teil, als das bis dahin sächsische Wittenberg Preußen zufiel.

Um den Reformationstag als gesellschaftlichen, und nicht nur kirchlichen Gedenktag zu etablieren, gab es Bestrebungen, verschiedene dem Reformationstag gewidmete Gebäcke zu Popularität zu führen. Zum einen entstand das Lutherbrot in Wittenberg, welches sich aber keiner großen Berühmtheit erfreuen konnte. Daneben wird im Mansfelder Land, der Heimat Luthers, ein kräftiges Vollkornbrot aus Dinkelmehl, Sauerteig und Roggenschrot unter dem Namen Lutherkruste vertrieben. Auch in der Prenzlauer Stadtbäckerei Them wird ein Lutherbrot angeboten. Ein weiteres der Reformation gewidmetes Gebäck ist das vornehmlich in sächsischen Bäckereien hergestellte Reformationsbrötchen, ein süßes Backwerk, welches es bereits in verschiedenen Varianten gibt und die Form der Lutherrose mit fünf Blättern nachbildet. Diese können unter anderem in der Krabat-Mühle in Schwarzkollm zum Reformationstag aus der eigenen Bäckerei probiert werden.

2017, zum 500-jährigen Jubiläum des Thesenanschlags Luthers, wurde der Reformationstag erstmalig in ganz Deutschland als ökumenischer Kirchenfeiertag begangen. Seit 2018 hat er sich, neben den bereits zuvor den Reformationstag feiernden Bundesländern - Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg - auch als Feiertag in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen etabliert.

 

 

*****

Textquellen:

Marquard, Reiner (Hrsg.): Reformationstag – evangelisch und ökumenisch: eine Arbeitshilfe für Gemeinde und Schule, Vandenhoeck1997, S.5, S.11ff, S.66.

Brüggemann, Alexander; Junkemann, Ilse; Lotze, Ulrike; Schwaetzer, Irmgard; Papathanasiou, Anna et al.: Feste feiern: Wir wir christliche Feiertage heute begehen können, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlagsgesellschaft, 2018.

>https://www.brot-fuer-die-welt.de/blog/2016-segensreiches-lutherbrot/< abgerufen am 27.10.2023.

>https://www.nordkurier.de/regional/uckermark/backer-bietet-uriges-lutherbrot-an-1214994 < abgerufen am 27.10.2023.

 

Bildquellen:

Vorschaubild: Das Leben Martin Luther's und die helden der Reformation, 1874, Urheber: Schile, H. (Henry) via Wikimedia Commons Public Domain.

Schlosskirche (Wittenberg), 2007, Urheber: Chris06 via Wikimedia Commons CC0.

Ablasshandel-Holzschnitt-1510, Urheber: Bundesministerium für Arbeit und Soziales - https://www.in-die-zukunft-gedacht.de/print-de/page/68/dokument/468/epochen.html via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Reformationsbrötchen, 2012, Urheber: Smokeonthewater via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

 

 

 

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