Deutschland-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Deutschland-Lese
Unser Leseangebot

Die verlassene Schule bei Tschernobyl - Lost Place

Nic

Am 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk Tschernobyl zu einer der schlimmsten Nuklearkatastrophen. Die freigesetzte Radioaktivität entsprach dem zehnfachen der Atom-Bombe von Hiroshima 1945. Erst drei Tage später wurde die 3 km entfernte Stadt Prypjat evakuiert und alle Bürger mussten ab 14 Uhr "vorübergehend" ihren Wohnort verlassen. Seither ist die Mittelschule der Stadt verwaist.

30 Jahre Leerstand hinterlassen Ihre Spuren. Doch genau die machen den Ort sehenswert. Der Großteil der Mittelschule ist in einem unberührten Verfallszustand. Die Wände verlieren ihre Farbe, die alten Schulbücher erinnern an den einstigen Schulalltag. Das Heft zeigt Klassenräumen, Flure, die Turnhalle und die große Schulaula.

Das Heft bietet in der Mitte ein doppelseitiges Poster.

ISBN: 978-3-86397-121-2

Preis: 3,00 €

Neujahrsgrüße im historischen Gewand und aktuell

Neujahrsgrüße im historischen Gewand und aktuell

Daria Schade

Das neue Jahr beginnt in westlichen Kulturkreisen am 1. Januar. Wer denkt, dass dies seit jeher so war, der irrt. Zunächst verlegten die Römer ihr Amtsjahr von März auf Januar. Dann sorgte auch Julius Caesar im Jahr 46 vor Christus dafür, dass das Kalenderjahr ebenfalls am 1. Januar begann. Allerdings sollte sich das Neujahrsdatum im Laufe der Jahrhunderte noch mehrfach ändern, bis es schließlich von Papst Innozenz XII im Jahr 1691 auf den 1. Januar fixiert wurde.
Seither haben sich verschiedenste Bräuche entwickelt. In fast allen Ländern gehören Glückwünsche und Grüße für das neuen Jahr zum guten Ton. Die ältesten Neujahrswünsche, die erhalten sind, stammen aus dem 15. Jahrhundert. Sie wurden ausschließlich mit Bildern versehen.

Bereits seit dem 17. Jahrhundert beschenkten sich Menschen mit schriftlichen Neujahrsgrüßen. Damals wurden Flugblätter mit Neujahrsgedichten an Nahestehende überreicht. Typischerweise wurden die Papierbögen mit Text sowie Bild gestaltet, sodass sowohl Analphabeten als auch Schriftgelehrte die Inhalte selbstständig begreifen konnten. Die kleinen Kunstwerke erfreuten Kinder genauso wie Erwachsene und waren oft von religiösem Inhalt geprägt.

Im 18. Jahrhundert prägten Studenten den Begriff “Prosit Neujahr”. Er geht auf den lateinischen Ausdruck prodesse zurück. Die Übersetzung dafür lautet “nützlich”, “zuträglich sein”. Während die Universitätsbesucher sich also zum Jahreswechsel zuprosteten, wünschten sie sich ein “zuträgliches neues Jahr”. Von den rauschenden Neujahrsfeiern der Gelehrten verbreitete sich der Spruch auf die breite Bevölkerung und findet bis heute Verwendung in Neujahrswünschen.

Um das Jahr 1760 wurde es in der deutschen Hauptstadt Berlin eine Sitte, die Neujahrskarten mit den Glückwünschen in einem Kuvert zu versenden. Dies galt allerdings nur für die betuchtere Gesellschaftsschicht, die schreiben konnte.

Schriftsteller Johann Wolfgangvon Goethe verfasste zum Jahreswechsel 1768/69 ein Gedicht, das er in gedruckter Form an enge Freunde verschickte.

In der Biedermeierzeit zwischen 1815 und 1848 kam die Mode auf, kleine Karten zum Neujahrsfest zu versenden. Darauf waren Radierungen, Stiche oder gemalte Bilder. Es wurden auch Ausschneidebögen und Klappkarten offeriert. Aus dieser Zeit sind viele Wünsche zum Jahresauftakt erhalten. Diese stammen nicht nur von Erwachsenen. Die Kinder aus gutem Hause überreichten ihren Eltern und anderen nahestehenden Verwandten ihre Grüße zum Jahreswechsel.

Übrigens wurden im 19. Jahrhundert Neujahrsgrüße nicht nur verschickt, sondern auch persönlich überbracht. War der Empfänger nicht anzutreffen, wurden die Kärtchen einfach in die sogenannte Besucherschale gelegt.

Ein erhaltener Neujahrsgruß von Theodor Fontane stammt aus dem Jahr 1860 und war an Lischen gerichtet. Er lautet:

Habe ein heitres, fröhliches Herz
Januar, Februar und März,
Sei immer mit dabei
In April und Mai,
Kreische vor Lust
In Juni, Juli und August,
Habe Verehrer, Freunde und Lober
In September und Oktober
Und bleibe meine gute Schwester
Bis zum Dezember und nächstem Sylvester.

Die ersten industriell gefertigten Neujahrskarten kamen Ende des 19. Jahrhunderts auf den Markt. Im Jahr 1872 wurden in Deutschland die ersten gedruckten Exemplare offeriert. Damals handelte es sich tatsächlich nur um reine Silvesterkarten. Durch die höheren Auflagen, die ersten Briefmarken und das einfachere Produktionsverfahren konnten sich mehr Menschen diese Schriftstücke leisten. Die Grußkarten zum Jahreswechsel gewannen deutlich an Popularität und waren nicht mehr nur der Oberschicht vorenthalten. Dass Grüße zu Weihnachten und Neujahr gesammelt auf einer einzigen Papeterie verschickt wurden, etablierte sich erst in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts.

Eine der traurigsten Neujahrskarten des 20. Jahrhunderts wurde nie verschickt. Sie stammt vom ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy und seiner Gattin. Im Jahr 1963 wurden die 4,5 x 6,5 Zoll großen Punzenkarten bereits gedruckt, bevor das Staatsoberhaupt auf tragische Weise ums Leben kam. Darauf war das Farbfoto einer neapolitanischen Kinderkrippe aus dem 18. Jahrhundert. Diese Krippe war im selben Jahr im Weißen Haus ausgestellt.
Die Wünsche auf der Innenseite lauteten: “With our wishes for a Blessed Christmas and a Happy New Year”. Dazu gesellte sich ein Siegel mit Adler in dessen Krallen Olivenzweig und Pfeife steckten. Ein Exemplar der Karte ist heute im Smithsonian National Museum of American History zu sehen.

Seitdem Papier immer mehr von Daten abgelöst wird, ändern sich auch die Neujahrsgrüße. Die meisten Glückwünsche werden mittlerweile per elektronischer Post übermittelt. WhatsApp, Facebook und Co. sind beliebte Kommunikationsmittel an Silvester und im Rest des Jahres.

Damit die Kartenbranche nicht vollkommen aus dem Rennen geworfen wird, setzen viele Anbieter auf eine Hybridlösung. Auf Online-Plattformen können Besucher ihre Wunschkarten auswählen und teilweise sogar individualisieren. Die Druckereien produzieren die Einzelstücke und senden sie an den gewünschten Empfänger. Oliver Schimek, der Geschäftsführer von Meine-Kartenmanufaktur.de, erklärt, dass die Neujahrsgrüße in seinem Unternehmen zum Großteil von Firmenkunden bestellt werden. Im Geschäftsumfeld wird nach wie vor auf Papeterie zum Jahreswechsel gesetzt.

Im Privaten werden normalerweise nur an die engsten Familienangehörigen und Freunde postalische Neujahrsgrüße überreicht. Gebastelte Karten stehen dabei genauso auf dem Programm wie Drucksachen von der Stange. Wird das Design nicht selbst entworfen, sollte zumindest der Inhalt aus eigener Feder stammen. Je einzigartiger Optik und Worte gestaltete sind, desto größer ist die Freude beim Empfänger.


Bilder:

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Silvester
von Florian Russi
MEHR
Feuerwerk zum Jahreswechsel
von Andreas Schneider
MEHR
Anzeige
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen