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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Brexit - Phrexit?

Brexit - Phrexit?

Florian Russi

Wie lässt sich das erklären? Ende des vergangenen Jahrhunderts sah es so aus, als ob die Menschheit in die Phase eines langen Friedens eintreten könnte. Der sog. Kalte Krieg fand ein Ende, in Russland zeigte sich die Hoffnung auf ein freiheitlich-demokratisches System, China ließ Liberalisierungstendenzen erkennen, weltweit entwickelte sich ein freier Markt, in den meisten Ländern stieg der Wohlstand und in Europa schlossen sich fast alle Staate zusammen, um eine abgestimmte, friedliche und wirtschaftlich erfolgreiche gemeinsame Ordnung aufzubauen. Nachweislich stieg in den Staaten, die ihren Handel liberalisierten und entsprechende Abkommen miteinander schlossen, der Lebensstandard der beteiligten Bevölkerungen. Heute brechen all diese Hoffnungen ein. Völker und Staaten kapseln sich voneinander ab und intrigieren gegeneinander. Blindwütige Terroristen bringen wahllos andere Menschen um, nur mit dem Ziel, Angst und Schrecken zu verbreiten. Immer mehr zwielichtige Regierungschefs reißen immer mehr Macht an sich und schaden ihren Ländern und Völkern. In den Völkern selbst verbreitet sich Unsicherheit und Unvernunft. Sogenannte Populisten machen sich das zunutze und finden bei Wahlen demokratische Zustimmung und sogar Mehrheiten.

Ein Ereignis, das mich besonders getroffen hat, war der sog. Brexit, d. h. der Mehrheitsbeschluss der BRiten über den Austritt, lateinisch: EXIT-us, aus der Europäischen Gemeinschaft EU. Dieser knappe Beschluss, von nationalistischen Populisten angeheizt, wird nach allen ernst zu nehmenden Prognosen von Wissenschaftlern und Fachleuten sowohl Großbritannien als auch den übrigen EU-Staaten schaden. Er kam u. a. auch deshalb zustande, weil ein populärer Politiker des Landes wahrheitswidrig behauptet hatte, dass Großbritannien durch den Austritt große Summen an Geld einsparen könne, die dann dem eigenen Gesundheitssystem zugute kämen. Boris Johnson wurde für diese Unwahrhaftigkeit nicht vor Gericht gestellt, sondern zum Außenminister ernannt.

Mein Vater, der im internationalen Kanu- und Campingsport aktiv war, hatte viele englische Freunde. Das waren kluge Leute. Sie sahen in der Zusammenarbeit der Sportler aus vielen Nationen auch einen Beitrag zur europäischen Friedensordnung. Dieser Gedanke stand für sie bei ihren Treffen mit Kameraden aus Frankreich, Deutschland, Italien, Griechenland und vielen anderen Ländern immer im Vordergrund. Es galt für sie, die den 2. Weltkrieg erlebt hatten, in Bezug auf die Europäische Einigung, was Wilhelm Busch zum Ausgang seiner Bildergeschichte vom Maler Klecksel so formuliert hat:

"Und, was das Beste, sie vereinigt,
Selbst Leute, die sich einst gepeinigt.“

Francisco de Goya: Casa de locos (Das Irrenhaus)
Francisco de Goya: Casa de locos (Das Irrenhaus)

Die europäische Friedensordnung wird nun von rechtsgerichteten und nationalistischen Bewegungen in vielen Ländern infrage gestellt. „Mein Land zuerst“, fordern viele und verfallen in nationalen Narzissmus, in Hybris und Megalomanie (Übersteigerte Eigenliebe,Selbstüberschätzung und Größenwahn). Darüber hinaus, so besagen es aktuelle Untersuchungen und Umfragen, nehmen die sogenannten „Borderline“-Störungen signifiknant zu. Borderline bedeutet wörtlich übersetzt „Grenzlinie“ und zielt auf eine emotionale Persönlichkeitsstörung ab, die den Betroffenen instabil und schwer berechenbar macht. Er schreitet die Grenze vernünftigen Handelns entlang und tritt dabei häufig über die Linie des Erträglichen. Narzissmus, Hybris, Megalomanie und Borderline sind seelische Krankheiten, von denen häufig Machthaber verschiedenster Staaten, Systeme oder Organisationen befallen werden und die auf ihre „Untergebenen“ übergreifen können. Da stellt sich nun die Frage: Können seelische Krankheiten sich epidemisch ausbreiten? Dass körperliche Krankheiten, wie Pest, Cholera, Syphilis oder Grippe dies getan haben und tun, ist bekannt. Über die Ausbreitung neurotischer Epidemien ist bisher noch nicht intensiv geforscht worden. Dabei droht die Gefahr eines PHR-EXITs, d. h. eines Ausstiegs der PHRonesis (griechisch: Vernunft, Besonnenheit, Verstand) aus der Weltpolitik. Die Leidtragenden werden wir alle sein. Es gilt, zuverlässige Diagnosen und wirksame Therapien dagegen zu entwickeln.

*****

- Bilder "Exit" und "Brexit", Bearbeitungen von Rita Dadder
- Francisco de Goya (1746–1828): Casa de locos (The Madhouse). Öl auf Holz.
Momentaner Standort: (Bestandsverzeichnis) Real Academia de Bellas Artes de San Fernando


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