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Horst Nalewski

Goethe hat ihn bewundert

Goethes Begegnungen mit Felix Mendelssohn Bartholdy

Der Musikkenner und international geachtete Literaturwissenschaftler Horst Nalewski erzählt anhand fünf ausgewählter Beispiele von dem außergewöhnlichen Aufeinandertreffen und Zusammenwirken zweier Künstler. Hörbeispiele sind über QR-Codes abrufbar.

Jesuiten in Deutschland

Jesuiten in Deutschland

Florian Russi

Ignatius von Loyola
Ignatius von Loyola

Als „Heimat-Orden“ des amtierenden Papstes Franziskus ist der offiziell „Societas Jesu‘ “ (Gesellschaft Jesu‘), abgekürzt SJ, genannte Jesuitenorden besonders in den Blick geraten. Er zählte im Jahr 2023 weltweit rund 16.000 Mitglieder und gehört neben den Benediktinern und Benediktinerinnen (20.000 Mitglieder), Franziskanern (18.000) und Dominikanern (6.000) zu den führenden katholischen Orden. Gegründet wurde er im Jahr 1534 von dem baskischen Adligen Ignatius von Loyola (1491 – 1556) und sechs Studienfreunden. Unter ihnen war Peter Faber (1506 – 1545), der später die erste Jesuitenniederlassung in Deutschland gründete und zusammen mit seinem Schüler Petrus Canisius (1521 – 1597) zum führenden Organisator der Gegenreformation in Deutschland wurde. Loyola war zunächst Offizier gewesen. In einer Schlacht wurde er schwer verwundet. Während der Zeit der Rehabilitation las er Heiligenlegenden und eine Schrift über das Leben Jesu und fasste den Entschluss, sein zukünftiges Leben in den Dienst der christlichen Kirche zu stellen. Er ging nach Paris, um an der Sorbonne Université Theologie und Philosophie zu studieren. Mit seinen Freunden plante er, im Stammland des Christentums, in Palästina als Missionare zu wirken. Als sich das als nicht möglich erwies, fuhr er nach Rom und bot Papst Paul III. an, sich ihm direkt zu unterstellen. Der Papst nahm das Angebot an und erlaubte die Gründung der neuen Ordensgemeinschaft, legte aber fest, dass sie nicht mehr als 60 Mitglieder haben dürfe. Dieses Prinzip wurde bald aufgegeben. Beim Tod von Ignatius zählte der Orden schon 1.000 Angehörige.

Petrus Canisius
Petrus Canisius

Neben der Unterstellung unter den Papst gaben sich die Ordensgründer die Prinzipien „Armut, Keuschheit und Gehorsam“. Loyola gründete auf seine Erfahrungen als Offizier und organisierte den Orden nach militärischem Vorbild. So trägt der Ordensobere den Titel „General“. Prägend für das geistige Leben in der Gemeinschaft wurden auch die von Ignatius entwickelten „Exercitien“, geistliche Übungen, bei denen es um Schweigsamkeit, innere Einkehr und geistliche Anleitung geht. Großen Wert legt der Orden auf die Ausbildung seiner Mitglieder, dazu gehören das Studium der Theologie und der Philosophie. Darüber hinaus wird es gern gesehen und gefördert, wenn die Ordensangehörigen eine weitere Ausbildung, z. B. in Geschichte, Naturkunde oder Fremdsprachen absolvieren, um auch in diesen Fächern als Fachleute, Mittler oder Lehrer tätig werden zu können. Ziel ist es, in der Welt zu bestehen und im Dialog mit anderen Weltanschauungen gewappnet zu sein. Dabei wird an den Glaubensgrundsätzen nicht gerüttelt, der Umgang mit wissenschaftlichen Theorien und Erkenntnissen aber offen gestaltet. An dieser Haltung der Jesuiten erkannte der Papst die Möglichkeit, der katholischen Kirche eine Kraft zu geben, den reformatorischen Religionen entgegenzuwirken. Er beauftragte den Orden mit der sog. „Gegenreformation“. Im deutschsprachigen Raum wurde sie in die Hände von Peter Faber und Petrus Canisius gelegt. Die beiden wirkten sehr erfolgreich. Canisius wurde als „zweiter Apostel Deutschlands“ bezeichnet (Der erste war Bonifatius).

Peter Faber
Peter Faber

Der Orden gründete mehrere Schulen und Hochschulen und seine Patres machten sich als Berater und Beichtväter an Fürstenhöfen unentbehrlich. Auch kulturell wurde er sehr initiativ. Er förderte die Kunstrichtung des Barock und an seinen Schulen das Theater, was dazu führte, dass man vom Jesuitentheater als eigener Literaturgattung sprach.

Aus dem deutschen Jesuitenorden gingen viele bedeutende Persönlichkeiten hervor. Genannt seien hier der Kritiker der Hexenprozesse Friedrich Graf Spee, die Widerständler gegen die Nazidiktatur Alois Grimm, Alfred Delp und Graf von Galen (Jesuitenschüler) und die großen Theologen Karl Rahner und Augustin Bea. Wenig bekannt ist übrigens auch, dass der Entdecker der „Urknalltheorie“, der Belgier Georges Henri-Joseph-Edouard Lemaître ein Jesuitenpater gewesen ist.

Eine ganz herausragende Bedeutung erlangten deutsche Jesuiten weltweit im Bereich der Sozialphilosophie und der christlichen Soziallehren. Heinrich Pesch, Gustav Gundlach, Augustin Bea und vor allem Oswald von Nell-Breuning nahmen entscheidenden Einfluss auf die päpstlichen Sozialenzyklen des vergangenen Jahrhunderts. Nell-Breuning ist Erfinder des „Subsidiaritätsprinzips“ (Hilfe zur Selbsthilfe), das heute weltweit als ein Grundprinzip in Sozialordnungen anerkannt ist.

Wie insgesamt in Europa der kirchliche Einfluss, so ist auch der der Jesuiten in den letzten Jahren merklich zurückgegangen. Die Anzahl der Ordensmitglieder ist seit 1960 um 1/3 gesunken. Von früher einmal zweidutzend Schulen unterhält der Orden in Deutschland noch vier; von den Hochschulen verblieben zwei. Als schädlich erwies es sich zudem, als sich herausstellte, dass es zumindest an einer von Jesuiten geführten Schule zu schwerwiegenden Missbrauchsfällen gekommen war. Das passte so gar nicht zu den gerade von Jesuiten gelehrten und gehandhabten strengen Keuschheitsgeboten.

Die Gesellschaft Jesu hat zurzeit zu kämpfen. Ihre Schulen genießen nach wie vor einen guten Ruf. Viel weniger Schüler als früher aber entschließen sich dazu, Priester zu werden und dem Orden beizutreten. Das führte auch dazu, dass die bisher selbstständigen Ordensprovinzen Deutschland (inkl. Schweden), Österreich und Schweiz zu einer Zentralprovinz zusammengelegt wurden. Es wird sich zeigen, was die im Volksmund manchmal als „Schlaue Jungs“ (SJ) bezeichneten Patres daraus noch machen werden.

 

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Bildquellen: 

Vorschaubild: Ihs-logo, 2008 (file), 1541 (design), Urheber (file): Moranski via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Ignatius of Loyola (militant), 2012 (upload), Urheber (upload): Justass via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Petrus Canisius im Dom zu Innsbruck, Urheber: Burkhard Mücke via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Pierre Favre(1), 2007 (file), Urheber (file):  Bwag via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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