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Friedrich W. Kantzenbach
Wüsst ich Dinge leicht wie Luft

Dieses Gedichtsbändchen ist liebevoll gestaltet und mit Fotos versehen. Es wendet sich an Leser, die bereit sind, aufmerksam hinzuhören und sich einzulassen auf die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Schicksal.

Erwache Friederike

Erwache Friederike

Johann Wolfgang von Goethe

Der verliebte Goethe ist zu Gast im Pfarrhaus zu Sesenheim und hat Sehnsucht nach seiner Friederike, die noch zu schlafen scheint, während er sich im Halbschlaf nach ihr sehnt. Friederike teilt ihr Schlafzimmer mit einer ihrer Schwestern. Dass die nach heutigen Begriffen Volljährige die Nacht im Bett ihres Liebhabers verbracht hätte, wäre selbst in der sonst sehr toleranten Pfarrersfamilie Brion undenkbar gewesen.
   
    
Florian Russi

   

Erwache, Friederike,
Vertreib die Nacht,
Die einer deiner Blicke
Zum Tage macht.
Der Vögel sanft Geflüster
Ruft liebevoll,
Daß mein geliebt Geschwister
Erwachen soll.

  

Ist dir dein Wort nicht heilig
Und meine Ruh‘?
Erwache! Unverzeihlich - Noch schlummerst du!
Horch, Philomelens Kummer
Schweigt heute still,
Weil dich der böse Schlummer
Nicht meiden will.

 

Es zittert Morgenschimmer
Mit blödem Licht
Errötend durch dein Zimmer
Und weckt dich nicht.
Am Busen deiner Schwester,
Der für dich schlagt,
Entschläfst du immer fester,
Je mehr es tagt.

   

Ich seh‘ dich schlummern, Schöne,
Vom Auge rinnt
Mir eine süße Träne
Und macht mich blind.
Wer kann es fühllos sehen,
Wer wird nicht heiß,
Und wär‘ er von den Zehen
Zum Kopf von Eis!

   

Vielleicht erscheint dir träumend
- O Glück! - mein Bild,
Das halb voll Schlaf und reimend
Die Musen schilt.
Erröten und erblassen
Sieh sein Gesicht:
Der Schlaf hat ihn verlassen,
Doch wacht er nicht.

   

Die Nachtigall im Schlafe
Hast du versäumt,
So höre nun zur Strafe,
Was ich gereimt.
Schwer lag auf meinem Busen
Des Reimes Joch:
Die schönste meiner Musen,
Du, schliefst ja noch.

 

   

*****
Teaserfoto: Claudia Grabalowski