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Der Bronstein-Defekt

und andere Geschichten 

Christoph Werner

"Ich stellte bald an mir selbst die Verführung durch Zählen und Auswerten fest und empfand die Wonne, Gesetzmäßigkeiten bei gewissen Massenerscheinungen festzustellen. Nichts war vor mir sicher. Als erstes machte ich mich über die Friedhöfe her..."

Heideröslein*

Heideröslein*

Johann Wolfgang von Goethe

„Sah ein Knab" ist eines der bekanntesten und beliebtesten Gedichte Goethes. Er schrieb es während der Zeit, in der er in Friederike Brion verliebt war. Nach Raymond Matzen** entstand das Gedicht auf dem „Keltentumulus" oder „Nachtigallenhain" in dem Dorf Sesenheim. Es ist ein romantischer Ort, der nur etwa 15 Minuten Spazierweg vom Sesenheimer Pfarrhaus entfernt liegt. Der Student Goethe und seine Freundin sollen sich hier häufig aufgehalten haben. Zeugen dafür gibt es nicht. Das verliebte Paar wird sich umarmt und geküsst haben. Ob es mehr war, wissen wir nicht. Es wird ja sogar behauptet***, dass Goethe erst auf seiner Italienreise (1786-1788), also viele Jahre später, zum Mann geworden sei.
   
Umso mehr verwundert der Text des Heiderösleins. Er schildert mit schönen und eingängigen Worten eine Vergewaltigung. Es fällt schwer, ihn mit dem Sesenheimer Liebesidyll in Zusammenhang zu bringen. War es nur überbordende Fantasie des Autors? Wie es heißt, hat sich Friederike bis an ihr Lebensende dem später berühmten Dichter verbunden gefühlt. Dennoch hatte er sich im Sommer 1771 schmerzvoll von ihr getrennt. Auch sie „musst es eben leiden".
   
  
Florian Russi

Sah ein Knab‘ ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön
Lief er schnell, es nah zu sehn,
Sah‘s mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Knabe sprach: Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach: Ich steche dich,
Daß du ewig denkst an mich,
Und ich will‘s nicht leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Und der wilde Knabe brach
‘s Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Mußt‘ es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

 

  

 
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*     Das Gedicht wurde mehrfach vertont. Am bekanntesten ist die Melodie von Heinrich Werner
    
**   Raymond Matzen, Goethe und Friederike Brion; Das Sesenheimer Liebesidyll; 2. Auflage 2003;  
      Morstadt Verlag Kehl
  
*** Kurt R. Eissler „Goethe. Eine psychoanalytische Studie 1775 - 1786", Hrsg. von Rüdiger Scholz, in
      Verbindung mit Wolfram Mauser und Johannes Cremerius. Aus dem Amerikanischen von Peter
      Fischer (Band 1) und Rüdiger Scholz (Band 2), Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main 1986

   

Teaserfoto: wikimedia; Junge Frau im Rosengarten. Urheber: Umberto Veruda (1868-1904) - gemeinfrei