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Sesenheimer Liebeslyrik

Florian Russi

Während seines Studiums in Straßburg lernte Johann Wolfgang von Goethe die Sesenheimer Pfarrerstochter Friederike Brion kennen. Die beiden verliebten sich ineinander und Goethe wurde durch Friederike zu wundervollen Gedichten angeregt.

Einige von ihnen (Heideröslein, Mailied, Willkommen und Abschied u. a.) zählen zu seinen besten und beliebtesten überhaupt. In diesem Heft sind sie vorgestellt und mit Bildern und Erläuterungen angereichert.

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Mailied
Dieses auch als „Maifest" betitelte Gedicht gehört zu den schönsten Liebes- und Frühlingsgedichten in der deutschen Literatur. Es gleicht einer Hymne, ist aber nicht an einen Gott oder Titanen, sondern an das geliebte Mädchen gerichtet. Aus jeder Zeile spricht ein unbändiges Gefühl des Glücks und der Liebe. Das Mailied wurde unter anderem von Ludwig van Beethoven vertont.
  
   
Florian Russi

Wie herrlich leuchtet
Mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne!
Wie lacht die Flur!

   

Es dringen Blüten
Aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen
Aus dem Gesträuch

    

Und Freud und Wonne
Aus jeder Brust.
O Erd‘, o Sonne,
O Glück, o Lust,

    

O Lieb‘, o Liebe,
So golden schön
Wie Morgenwolken
Auf jenen Höhn,

     

Du segnest herrlich
Das frische Feld -
Im Blütendampfe
Die volle Welt!

O Mädchen, Mädchen,
Wie lieb‘ ich dich!
Wie blinkt dein Auge,
Wie liebst du mich!

     

So liebt die Lerche
Gesang und Luft,
Und Morgenblumen
Den Himmeisduft,

    

Wie ich dich liebe
Mit warmem Blut,
Die du mir Jugend
Und Freud‘ und Mut

     

Zu neuen Liedern
Und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich,
Wie du mich liebst!

 

   

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Teaserfoto: pixabay, Urheber des Bildes: Stevebidmead (gemeinfrei)