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Jürgen Klose
Kennst du Friedrich Schiller?

Ein kreativer Querkopf mit allerlei Flausen scheint Schiller wohl gewesen zu sein, wenn man ihn mal ganz ohne Pathos betrachtet.

Conrad Ferdinand Meyer

Conrad Ferdinand Meyer

Georg Bürke

Ein Schweizer, der sich für die deutsche Literatur entschied

C. F. Meyer wurde am 11. Oktober 1825 als Nachkomme eines Züricher Patriziergeschlechts in Zürich geboren. Sein Vater war Staatsbeamter und Historiker. Er starb früh. Vom Vater hatte der Sohn den Sinn für Geschichte, die unermüdliche Sorgfalt und stille, kampfesscheue Natur geerbt. Das krankhaft reizbare Kind blieb unter der Obhut der feinnervigen, dichterisch veranlagten, überempfindlichen, schwermütigen Mutter, die dem Sohn bald fremd wurde und den Tod in den Wellen suchte. So übernahm der junge Meyer von den Eltern ein verhängnisvolles Erbe: „das traurige Herz", Scheu vor den Härten und Tücken des Lebens, Überempfindlichkeit.

C. F. Meyer besuchte das Gymnasium in Zürich. Ein längerer Aufenthalt in Lausanne und Genf brachte ihn unter den Einfluss der französischen Literatur. In Zürich nahm er ein Jura-Studium auf, das ihn aber nicht befriedigte. Er unternahm poetische und zeichnerische Versuche und sonderte sich völlig von der Umwelt ab. 1852 musste er in eine Nervenheilanstalt eingewiesen werden, in der er Heilung fand. Der Selbstmord der Mutter im Jahr 1856 traf und erschütterte ihn furchtbar. Auf einer Reise nach Rom im Jahr 1858 entschied er sich für den Dichterberuf, war aber noch ohne Klarheit, ob er sich auf die deutsche oder französische Seite „schlagen" solle. Die Klärung zur deutschen Literatur brachte ihm das Jahr 1870. Es folgte ein Meisterwerk nach dem anderen. 1877 ließ er sich dauerhaft in Kilchberg bei Zürich nieder. Unendlicher Fleiß und eiserner Wille überspannten des Dichters physische und psychische Kräfte. 1891 erlitt er einen geistigen Zusammenbruch durch Überarbeitung. 1892/93 kam er in die psychiatrische Klinik in Königsfelden. Er verfiel in Siechtum und starb am 28. November 1895 in Kilchberg.

Conrad Ferdinand Meyer schrieb 1870/71 die Versnovelle „Huttens letzte Tage", den Roman „Jürg Jenatsch" (abgeschlossen 1873/74), zehn Novellen, unter anderem „Der Heilige" (1879), „Das Amulett" (1873), „Gustav Adolfs Page" (1882) und „Plautus im Nonnenkloster" (1882), außerdem Lyrik und Balladen.

Meyers Weltanschauung ist bestimmt durch den Calvinismus und durch sein eigenes körperlich-seelisches Erbe. Er fühlte sich als Verworfener unter einem dunklen Schicksal, fand aber Trost in Pascals „Pensées", wonach der Mensch trotz seines Schicksals und seiner Unzulänglichkeit der Gnade Gottes gewiss sein könne. Tief lag in ihm die Sehnsucht nach heroischer Lebensbejahung, nach der Freiheit eigener Lebensbestimmung. Hingerissen von dem Glanz und der Schönheit bedenkenloser Machtgestalten, war er andererseits erfüllt von einem höchst empfindlichen sittlichen Bewusstsein. Diese Konflikte in seinem Innern führten den innerlich weichen Mann, den die Gegenwart des oft rauen Alltagslebens schreckte und an der er litt, in die geschichtliche Vergangenheit, die er nicht menschlich durchleiden musste, sondern künstlerisch genießen konnte. So wurde er zu einem Meister der historischen Novelle.

Anregungen und Hilfe boten ihm Jakob Burckhardts „Kultur der Renaissance in Italien" (1860) und seine Vorlesungen „Weltgeschichtliche Betrachtungen" (1868/69). Sie veranlassten Meyer, sich vor allem mit den Renaissancegestalten zu beschäftigen. In ihnen wurde seine Sehnsucht nach Kraft und Größe erfüllt. Sie stellten ihn aber auch vor die Rätsel, mit denen der Dichter zeitlebens rang, vor die Spannungen zwischen Leidenschaft und Gerechtigkeit, zwischen Macht und Pflicht, Leidenschaft und Gesetz, zwischen Politik und Gottesdienst, Diesseitigkeit und frommer Ergebung, die für ihn weitgehend zusammenfallen mit dem Gegensatz von germanischem und romanischem, südlich-heiterem und nördlich-vergrübeltem Wesen, von Renaissance und Reformation.

Als Ausdruck bloß zuschauender innerer Distanz, die die durchgängigen Linien und die waltenden sittlichen Kräfte in der geschichtlichen Verworrenheit überblickt, wählt er gewöhnlich die Form der Rahmenerzählung. Berichtende sind häufig Naturen, die die Höhe des Lebens bereits überschritten haben und als müde, stolz Abgeschlossene dem Leben nur zuschauen. Da ihm die Geschichte nicht Selbstzweck ist, gestaltet er sie nach seinem künstlerischen Bedürfnis um und benutzt vielfach die Personen als Masken, um darunter seine eigenen Erfahrungen und Empfindungen auszusprechen. Insofern zählt er zu den Wegbereitern des Symbolismus. Meyer ist einer der größten Formkünstler in der Gattung der geschichtlichen Novelle. Themen seiner lyrischen Gedichte und Balladen sind die Natur (nicht als Stimmung, sondern als Symbol) sowie Ausdeutungen großer Kunstwerke. Er schrieb nur wenige Liebesgedichte. Vor allem in seinen Balladen, die sich durch große Formstrenge auszeichnen, interpretiert er historische Gestalten und Ereignisse.

  

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Teaserfoto: wikipedia - Conrad Ferdinand Meyer - gemeinfrei

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