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Berndt Seite

N wie Ninive
Erzählungen

In metaphorisch einprägsamen Stil  werden verschiedene Schicksale erzählt, die ihren Haupthelden alles abverlangen, sie an ihre Grenzen bringen. Bei der Frage nach der Schuld, nach Gerechtigkeit und Gott verstricken sich Zukunft und Vergangenheit. 

"Er hat einen eigenen Ton, ein bisschen mecklenburgisch erdenschwer, aber dann auch wieder sehr poetisch"

Frankfurter Allgemeine 07.10.2014 Nr. 232 S. 10 

Der irdene und der eiserne Topf

Der irdene und der eiserne Topf

Jean de La Fontaine

Ein irdener und ein eiserner Topf standen nebeneinander am Herd und langweilten sich. Da sagte der eiserne Topf: „Lass uns aufbrechen und eine Reise machen. Dabei können wir vieles Interessante erleben."

„Für mich wäre das eine zu große Gefahr", antwortete der Tontopf. „Du bist stark und aus hartem Eisen, ich aber bin schwach und zerbrechlich. Wenn mir etwas zustößt, zerfalle ich in Scherben." „Komm dennoch mit", drängte der eiserne Topf. „Wann immer dir eine Gefahr droht und dir jemand entgegenkommt, werde ich mich zwischen euch stellen und dich beschützen."

Da ließ der Tontopf sich überreden und die beiden machten sich gemeinsam auf den Weg. Sie erreichten bald eine schöne Gegend, doch der Pfad, der durch sie hindurchführte, war holperig und steinig. Da stolperte auch der eiserne Topf immer wieder. An einer abschüssigen Stelle rammte er den irdenen Topf, der sich unmittelbar neben ihm hielt, so, dass dieser zersprang und nur noch Scherben von ihm übrig blieben.
 
Fazit: Bei der Wahl seiner Freunde sollte man darauf achten, dass sie zu einem passen.
 
 
nacherzählt von Florian Russi

  

    

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Teaserfoto: pixabay, aus zwei Bildern zusammengefügt und neu bearbeitet von Kati Spantig, Urheber beider Bilder: ClkerFreeVectorImages (gemeinfrei, kein Bildnachweis nötig)