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Johannes E. R. Berthold
Die Bunte-Kinder

wahrhaftige Geschichten aus einer wundervolle Kindheit auf dem Land

Wilhelm Hauff

Wilhelm Hauff

Uta Plisch

Einer der bedeutendsten deutschen Märchendichter wurde nur 25 Jahre alt.

Wilhelm Hauff kam am 29.11.1802 in Stuttgart zur Welt. Sein Vater August Hauff war Jurist und stand in württembergischen Regierungsdiensten. 1800 wurde er festgenommen und im Staatsgefängnis auf dem Hohen Asperg inhaftiert. Angeblich soll er Mitglied eines revolutionären Geheimbundes gewesen sein. Freigesprochen und rehabilitiert, verkraftete er dieses Unrecht nicht und starb bereits mit 37 Jahren. Wilhelm war damals sieben Jahre alt. Die Mutter, eine begabte Erzählerin, zog mit ihren vier Kindern nach Tübingen ins Haus des Großvaters, der eine umfangreiche Bibliothek besaß. Ein Glücksfall für Wilhelm, denn er war ein begeisterter Leser und verschlang alles wahllos, ob Abenteuer- oder Liebesroman. Er las aber auch die deutschen Klassiker.

Nach seiner Schulzeit studierte er von 1820 bis 1824 Theologie und Philosophie als Stipendiat des Evangelischen Stifts Tübingen an der Universität Tübingen und promovierte dort zum Dr. phil. Anschließend unterrichtete er als Hauslehrer die beiden Söhne von Ernst Eugen Freiherr von Hügel, einem württembergischen General und späteren Kriegsminister, bevor er später Redakteur des Cottaschen „Morgenblattes für gebildete Stände" wurde.

Hauff schrieb Romane, Erzählungen und Märchen und war ein Hauptvertreter der schwäbischen Dichterschule. Seine Lieder erlangten bald den Charakter von Volksliedern.

Bei seinem zweiten Roman, „Der Mann im Mond", einem satirischen Gesellschaftsroman, hatte er einen genialen Einfall. Er veröffentlichte das Buch unter dem Namen des sehr erfolgreichen Trivialautors Heinrich Clauren, der äußerst beliebte Romane ohne Tiefgang verfasste. Er ahmte auch dessen manierierten Stil vorzüglich nach. Die Leute waren begeistert und rissen sich um das neue Buch ihres Lieblingsautors. Nach zwei Jahren outete sich Hauff mit der Controvers-Predigt über H. Clauren und den Mann im Mond. Der war nun nicht gerade entzückt über diese Bloßstellung und verklagte Hauff und Verlag. Die zahlten gern die Strafe, denn die Aufmerksamkeit, die sie dadurch erreicht hatten, war unbezahlbar.

Erstausgabe des „Märchenalmanachs" von 1828
Erstausgabe des „Märchenalmanachs" von 1828

Mit seinem historischen Roman „Lichtenstein" (1826) hatte er seinen größten literarischen Erfolg. Dieses Buch markierte den Beginn dieser Romangattung. Seine Märchen allerdings, erschienen in drei Almanachen (1826, 1827 und 1828), und seine Lieder machten ihn berühmt. Sein Werk zeichnet sich aus durch romantisch-phantastische Elemente, die aber durchaus realistische, zeitkritische und satirische Züge tragen.
 
1827 heiratete Hauff seine Cousine Luise Hauff. Am 10. November kam ihre gemeinsame Tochter zur Welt. Nur eine Woche später, am 18. November, verstarb Hauff an einem Nervenfieber. Während einer Reise durch Tirol, wo er Material über Andreas Hofer sammelte, hatte er sich angesteckt. Am 19. November wäre er 25 Jahre alt geworden.

Ihm zu Ehren wurde der Wilhelm-Hauff-Preis zur Förderung von Kinder- und Jugendliteratur gestiftet.