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Auf der Suche nach Fips

Eine liebevoll illustrierte Vorlesegeschichte in mehreren Kapiteln für Kinder ab 5

Fips ist verschwunden. Wo kann ein kleiner Mäusejunge wohl verlorengegangen sein. Seine Freunde machen sich auf die Such nach ihm und erleben dabei eine Menge Abenteuer.

Blüten- und Vegetationsfeste im Frühsommer

Blüten- und Vegetationsfeste im Frühsommer

Andreas Schneider

Regionale und überregionale Bräuche im Mai

Erhalten haben sich von den Frühsommerbräuchen auch viele Feste der Baumblüte. Genannt werden sollen hier nur die zwei bekanntesten Beispiele: Gut besucht ist jährlich die Feier der Apfel- und vor allem Kirschblüte in der Gemeinde Jork in Niedersachsen, dem Mittelpunkt der Obst- und Kulturlandschaft „Altes Land", die am ersten Maiwochenende als „Altländer Blütenfest" viele Gäste und Ausflügler anzieht und bei der seit 1981 eine Blütenkönigin gekrönt wird . Am ersten Sonntag im Mai vollzieht die Ortsfeuerwehr den „Altländer Blütenmarsch". Seit 1879 feiert die Stadt Werder an der Havel in Brandenburg ihr überregional bedeutsames „Baumblütenfest", ein zehntägiges Volksfest, das ebenfalls die Wahl der Baumblütenkönigin als Höhepunkt hat. Das Fest beginnt jeweils am letzten Wochenende im April und endet Anfang Mai - 2015 wurde es vom 25. April bis 3. Mai begangen. Bis zu 500.000 Besucher erfreuen sich dabei an den blühenden Obstgärten - oder auch an so manchem Schluck  Obstwein.

Parade beim Kivelingsfest 2011 in Lingen (Ems)
Parade beim Kivelingsfest 2011 in Lingen (Ems)

Alle drei Jahre findet in Lingen (Ems) an Pfingsten das Kivelingsfest als historisches Volksfest statt - nach 2011 und 2014 das nächste Mal 2017. Benannt ist es nach den Kivelingen, dem Junggesellenverein „Bürgersöhne-Aufzug zu Lingen, Die Kivelinge e. V.", bei dem jeder männliche Einwohner der Stadt Lingen Mitglied werden kann, der das 17. Lebensjahr überschritten hat und ledig ist. Der Verein ist auch Veranstalter des Festes.

Vermutlich seit 1613 wird der „Mannheimer Maimarkt" durchgeführt - eigentlich eine der großen regionalen Verbraucherausstellungen in Deutschland, die im Begleitprogramm auch viele Höhepunkte mit Volksfestcharakter kennt.

Der „Maimarkt" in Kaiserslautern ist neben dem „Oktobermarkt" Teil der „Lautrer Kerwe" (Kirmes), die als größte Volksfest der Westpfalz beworben wird und als Rummel zweimal im Jahr, im Mai und im Oktober, jeweils „elf Tage lang Spaß, Spannung und jede Menge Nervenkitzel" verspricht.

Außerdem feiert Hamburg Anfang Mai jährlich seinen „Hafengeburtstag", weil ein am 7. Mai 1189 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa ausgestellter Freibrief für Hamburger Schiffe als die Geburtsstunde des Hamburger Hafens gilt. Das heute dreitägige Volksfest gibt es seit 1977 und es zieht inzwischen mit seiner Einlauf- und Auslaufparade, dem Eröffnungsgottesdienst im „Michel", also in der Sankt-Michaelis-Kirche, dem Drachenbootrennen und Schlepperballett mehr als 1 Mio. Besucher an. Da kommt ganz schön was zusammen - und sicher spielt dabei die schöne Jahreszeit auch eine nicht unwesentliche Rolle.

Bräuche des Vegetationsbeginns und des Sommerbegrüßens

Kinder beim Mai-Umzug in den 1930er Jahren
Kinder beim Mai-Umzug in den 1930er Jahren

Nur noch wenige der ursprünglich auch in Deutschland einmal so vielfältigen Riten und Bräuche im Mai, die sich in der agrarisch geprägten Gesellschaft der Vormoderne um den Vegetationsbeginn gruppierten und die beginnende Sommerfreude feierten, sind erhalten geblieben: Maien, Maibaumsetzen, Maifeuer. Denn seit dem frühen 20. Jahrhundert gingen mit der Industrialisierung und dem Umbruch in der Alltagskultur viele traditionelle Bräuche im Mai verloren - im ländlichen Raum wie so oft in der Geschichte der Popularkultur später als im urbanen Leben der Stadt. So war es bis dahin in vielen Regionen Deutschlands üblich, am ersten Tag des Monats, dem „Maitag", den Frühling und Frühsommer mit Festen und Aufzügen zu begrüßen. Älteste Belege dafür stammen schon aus dem 13. Jahrhundert. Mit fröhlicher Musik angeblasen, mit Maisingen verbunden, feierte man den endgültigen Sieg über den Winter und die Zeit der Liebe und Hoffnung auf kommende Fruchtbarkeit. Den heiratsfähigen Mädchen schmückten die Verehrer als Zeichen der Achtung oder Liebe Türen oder Fenster mit „Maien" und Maibäumen, die dann „Liebesmaien" genannt wurden. Wirtshäuser erhielten zum Zeichen des beginnenden Ausschanks ihre „Tanzmaien". In Laub gehüllte Gestalten, die „Maijungen", zogen von Haus zu Haus und erhielten Geschenke; mit Blumen geschmückte Mädchen, die „Maibräute", spielten in den Aufzügen und Vergnügungen der Jugend ebenso als Verkörperung des Frühlings eine zentrale Rolle. Die seit dem 16. Jahrhundert verbreiteten „Mailehen", in denen ihnen spielerisch oder im Losverfahren Gefährten als „Maibräutigame" zugeteilt wurden, wechselten im Verlauf der Entwicklung vielfach wie andere Mairiten vom 1. Mai auf Pfingsten über.

Maibaum in Cham (Oberpfalz)
Maibaum in Cham (Oberpfalz)

Dazu zählen auch das noch vielfältig, besonders in Oberbayern, seit dem 18. Jahrhundert lebendig gebliebene Setzen eines Ortsmaibaums durch die ganze Gemeinde als Zeichen des Frühlings- oder Sommersegens, der am oberen Ende mit einem bunten Kranz geschmückt ist, bis zu 40 m hoch sein kann und auf Querleisten Bildzeichen der Gewerbe oder der wichtigsten Bauten eines Dorfes zeigt. Der Maibaum ist als Brauchmuster, ebenso wie die Maifeuer, auch an anderen Maitagen und besonders zu Pfingsten üblich geworden; die Feuer sollten ursprünglich Mensch und Vieh fruchtbar machen sowie Hexen und böse Geister vertreiben. Im Maibaum verankerte sich symbolisch neue Lebensstärke, die aus der Berührung mit den frischen Sprößlingen der zu neuem Wachstum erwachten Natur erwuchs. Für sein Einholen - auch „Mai suchen" genannt - galten gewisse Vorschriften und Riten zu beachten: Es war zumeist Aufgabe der Jugendlichen und jungen Erwachsene im Ort und geschah häufig in der Nacht zum 1. Mai, was sich u. a. im Rheinland bis in die Gegenwart erhalten hat und seit den 1990er-Jahren auch im städtischen Bereich eine regelrechte Wiederbelebung erfuhr - nun natürlich mit Bezügen zur modernen Event-Kultur.

Der Regen in der Nacht zum Maitag, aber auch jeder Mairegen oder Maitau galt früher als segensreich und heilkräftig, nicht nur für Feld und Tier, sondern auch für den Menschen; er beförderte angeblich das Wachstum der Kinder und der Haare. So ließ man sich gern auf den Kopf regnen oder sammelte das Maiwasser als heilkräftigen Vorrat für das ganze Jahr. Brunnen wurden deshalb bunt geschmückt.

 

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- Vorschaubild: Baumblüte im Mai. Foto: Rita Dadder
- Parade beim Kivelingsfest 2011 in Lingen (Ems). Urheber: Thomas Pusch, CC-BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons.
- Kinder beim Maiumzug (1930er Jahre), Fotografiert in Ochsenfurt von Paul Walde (1899-1970). (gemeinfrei)

- Maibaum in Cham, Foto: Rita Dadder