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Friedrich Froebel

Friedrich Froebel

Johannes Froebel-Parker

Gründer des ersten Kindergartens

In einem Land, das heute Deutschland heißt, in einer Gegend genannt Thüringen, im Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt, lebte einst ein Knabe, der Friedrich hieß. Sein Dorf lag mitten in einem wunderschönen Wald. Die Dorfbewohner suchten Blumen und Kräuter in den umliegenden Bergen. Daraus stellten sie Tees, Arzneimittel, Salben und Parfüms her.

Friedrich konnte vom Fenster seines Schlafzimmers den Dörflern bei der Arbeit zusehen, konnte sehen, wie der Schuster Schuhe auf den Leisten schlug und die Schneiderin Kleider nähte. Auch sah er dem Tischler und dem Kerzenmacher bei der Arbeit zu. All diese Arbeiten waren für das Leben in diesem Dorf wichtig!

Friedrich saß gerne still neben einem Baum, um die Fische im Bach, die Vögel in den Bäumen und den Hirsch mit seinen Kitzen zu beobachten.

Friedrichs Vater war Pfarrer in der Kirche des Dorfes, die wegen ihrer Größe auch "Dom des Thüringer Waldes" genannt wurde. Friedrichs Brüder waren schon erwachsen und lebten nicht mehr zu Hause. Kurz nach Friedrichs Geburt starb seine Mutter, der Vater heiratete wieder.

Friedrich wollte zur Schule gehen, aber es gab nur eine Mädchenschule in Oberweißbach. Sein Vater schickte ihn dorthin. Friedrich war wissbegierig und lernte gern.

Bald war Friedrich ein junger Mann. Er lebte bei seinem Onkel, der Förster war. Er lernte viel über den Wald und die Bäume, die Steine und Mineralien und alle Tiere, die dort wohnen. Später ging er auf die Universität, um noch mehr über Steine und Mineralien zu erfahren.

Er ging in die Schweiz, um die Schule, die von Johann Heinrich Pestalozzi geleitet wurde, zu besuchen. Die Kinder dort waren so glücklich! Sie hatten Spaß am Lernen, da die Lehrer sich um sie kümmerten.

Als Friedrich wieder nach Deutschland* zurückgekehrt war, wurde er Lehrer für seine Neffen und Nichten. Bald kamen mehr Kinder, um zu lernen. Friedrich begriff, dass jedes Kind anders war. Er dachte: ‘Sie sind wie die Blumen Thüringens.‘ Einer zeichnete gern, andere liebten es, zu singen. Wieder andere waren gut in Mathematik oder im Schreiben.

(* Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt)

Eines Nachmittags ging Baronin Bertha von Marenholtz-Bülow spazieren. Sie sah Friedrich draußen mit den Kindern spielen. Sie sangen Lieder und waren alle so glücklich. Am nächsten Tag nahm sie einen Herzog und eine Prinzessin mit, um Friedrich und die Kinder zu besuchen. Beide waren von dem, was sie sahen, begeistert.

Sie fragte Friedrich: "Wie nennen Sie Ihre Schule?" Er dachte einen Moment nach und antwortete dann: "Meine Schüler sind wie Blumen in einem Garten. Jedes Kind ist anders, aber zusammen sind sie schön. Aus diesem Grunde bezeichne ich sie als Garten der Kinder, also Kindergarten".

Der Herzog überließ Friedrich ein kleines Schloss auf dem Lande, um dort zu leben. Im Jagdschlößchen Marienthal unterrichtete er die ersten Kindergärtnerinnen. Dort verlebte er viele glückliche Tage ... bis auf einen.

Der König von Preußen war altmodisch. Er hatte Angst vor Neuem, vor Dingen. die er nicht verstand. Er dachte, dass Kinder gehorchen und nicht angehört werden sollten. Die Schule war doch eine ernste Angelegenheit. Wie könnten da die Kinder etwas lernen, wenn sie dabei so viel Spaß hätten? Er fragte Friedrich nie nach den Grundlagen seiner Arbeit. Er forderte Friedrich auf, die Schule zu schließen.

Die Baronin und ihre Freunde kamen an Friedrichs Haus vorbei. Dort war es totenstill. Sie fragten Friedrich: „Wo sind die Kinder?" Friedrich erzählte ihnen, was geschehen war.

Friedrich starb und viele Jahre vergingen. Bertha konnte die glücklichen Kinder in Friedrichs Kindergarten nicht vergessen. Sie und ihre Freunde beschlossen, neue Kindergärten zu gründen. Die Kinder sollten wieder Spaß am Lernen haben.

Baronin Bertha, der Herzog, die Prinzessin und viele Freunde führten gottseidank das Werk Friedrichs fort und gründeten in vielen Ländern Kindergärten. Heute gibt es in der ganzen Welt Kindergärten. Weil Friedrich Fröbel den ersten Kindergarten eröffnete, können die Kinder heute Spaß haben und zugleich lernen.

 

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Foto: gemeinfrei wikipedia

Grafik/Zeichnung entnommen aus dem Buch "The First Kindergarten"