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Im Zeichen der Trauer

Florian Russi (Hrsg.) Tröstungen für Hinterbliebene, 2006, 64 Seiten

Feinfühlig und doch nüchtern und realitätsnah dargestellt, sollen die Texte Tränen trocknen und Mut zusprechen

 

Wildgänse rauschen durch die Nacht

Wildgänse rauschen durch die Nacht

Walter Flex

Ein trauriges Kriegsgedicht

Walter Flex (1887 - 1917) war ein deutscher Schriftsteller und Lyriker. Wie die meisten seiner Generation hatte er sich freiwillig zum Dienst im 1. Weltkrieg gemeldet, von dessen Verlauf sich zu Beginn niemand eine rechte Vorstellung machte. In dem zu Herzen gehenden Wildgänse-Gedicht von Flex wird deutlich, dass nicht nur Hurra-Patriotismus die jungen Männer antrieb, sondern dass ihnen auch traurig bewusst war, dass es zu keiner Wiederkehr kommen könnte. Robert Götz schrieb zu diesem Gedicht eine sehr weit verbreitete Marschmelodie.

Florian Russi

 

Wildgänse rauschen durch die Nacht
Mit schrillem Schrei nach Norden -
Unstäte Fahrt! Habt acht, habt acht!
Die Welt ist voller Morden.

Fahrt durch die nachtdurchwogte Welt,
Graureisige Geschwader!
Fahlhelle zuckt, und Schlachtruf gellt,
Weit wallt und wogt der Hader. 


Rausch' zu, fahr' zu, du graues Heer!
Rauscht zu, fahrt zu nach Norden!
Fahrt ihr nach Süden übers Meer -
Was ist aus uns geworden!

Wir sind wie ihr ein graues Heer
Und fahr'n in Kaisers Namen,
Und fahr'n wir ohne Wiederkehr,
Rauscht uns im Herbst ein Amen!

*****

Bildquelle: Nächtliche Kriegsszene bei Thiepval (7. August 1916). gemeinfrei