Deutschland Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.deutschland-lese.de
Unser Leseangebot

Über Werte und Tugenden

Florian Russi

Mehr denn je wird über die althergebrachten Werte und Tugenden diskutiert. Sind Tugenden und Werte Begriffe aus der Klamottenkiste oder bestimmen sie auch heute noch unser Handeln? 

Spätherbstnebel, kalte Träume

Spätherbstnebel, kalte Träume

Heinrich Heine

Das vorliegende Gedicht von Heinrich Heine ist dem Band „Neue Gedichte" von 1844 entnommen, und zwar dem Zyklus „Neuer Frühling". Die darin gesammelten Gedichte können als Nachfolger derer aus dem „Buch der Lieder" angesehen werden; trotzdem wird ein Bruch erkennbar, der auf den Abschied von der Lyrik und die Hinwendung zur Prosa in jenen Jahren hinweist.

„Spätherbstnebel, kalte Träume" ist das vorletzte der insgesamt 44 liedhaften Dichtungen. Zum Ende hin zeichnet sich zunehmend Pessimismus ab. In einem seiner Briefe beschwert sich Heine über das „niederträchtig Wetter" im Herbst und im Gedicht vergleicht das lyrische Ich sein Innerstes mit der sterbenden Natur. Grund dafür ist die Trennung von der Geliebten; Vergänglichkeit, Sehnsucht und Resignation klingen an.

Constanze Bragulla
 

Heinrich Heine: Spätherbstnebel, kalte Träume (1827)

 Spätherbstnebel, kalte Träume,
Überfroren Berg und Tal,
Sturm entblättert schon die Bäume,
Und sie schaun gespenstisch kahl.

Nur ein einz'ger, traurig schweigsam
Einz'ger Baum steht unentlaubt,
Feucht von Wehmutstränen gleichsam,
Schüttelt er sein grünes Haupt.

 Ach, mein Herz gleicht dieser Wildnis,
Und der Baum, den ich dort schau
Sommergrün, das ist dein Bildnis,
Vielgeliebte, schöne Frau!

 

 

---
Bildquelle: © Tina Romstedt