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Astrid Koopmann/ Bernhard Meier
Kennst du Erich Kästner?

Ist das dort nicht Kästner, Erich Kästner? Ich habe gehört, er war gerade auf großer Reise - Dresden, Leipzig, Berlin, München oder so. Soll ich dich mit ihm bekannt machen? Kästner mal ganz privat! Er hat immer eine Menge spannender Geschichten auf Lager.

Spätherbstnebel, kalte Träume

Spätherbstnebel, kalte Träume

Heinrich Heine

Das vorliegende Gedicht von Heinrich Heine ist dem Band „Neue Gedichte" von 1844 entnommen, und zwar dem Zyklus „Neuer Frühling". Die darin gesammelten Gedichte können als Nachfolger derer aus dem „Buch der Lieder" angesehen werden; trotzdem wird ein Bruch erkennbar, der auf den Abschied von der Lyrik und die Hinwendung zur Prosa in jenen Jahren hinweist.

„Spätherbstnebel, kalte Träume" ist das vorletzte der insgesamt 44 liedhaften Dichtungen. Zum Ende hin zeichnet sich zunehmend Pessimismus ab. In einem seiner Briefe beschwert sich Heine über das „niederträchtig Wetter" im Herbst und im Gedicht vergleicht das lyrische Ich sein Innerstes mit der sterbenden Natur. Grund dafür ist die Trennung von der Geliebten; Vergänglichkeit, Sehnsucht und Resignation klingen an.

Constanze Bragulla
 

Heinrich Heine: Spätherbstnebel, kalte Träume (1827)

 Spätherbstnebel, kalte Träume,
Überfroren Berg und Tal,
Sturm entblättert schon die Bäume,
Und sie schaun gespenstisch kahl.

Nur ein einz'ger, traurig schweigsam
Einz'ger Baum steht unentlaubt,
Feucht von Wehmutstränen gleichsam,
Schüttelt er sein grünes Haupt.

 Ach, mein Herz gleicht dieser Wildnis,
Und der Baum, den ich dort schau
Sommergrün, das ist dein Bildnis,
Vielgeliebte, schöne Frau!

 

 

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Bildquelle: © Tina Romstedt