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Karlheinz Fingerhut 
Kennst du Franz Kafka?

Was für ein komischer Kauz muss dieser Kafka wohl gewesen sein, dass kaum ein Lehrer so recht weiß, wie ihn vermitteln. Dabei ließen sich Kafkas Texte mit Träumen vergleichen, und die kennt doch jeder.
Karlheinz Fingerhut ermöglicht in diesem Buch einen leichteren Zugang zum Menschen Kafka und zu seinen teils verwirrenden Werken.

Pfingsten

Ein Frühsommerfest im Mai mit schwindendem christlichen Bezug

Viele Menschen in Deutschland denken inzwischen, sobald das Pfingstfest naht, vor allem und zuerst an das Wetter. Wird es schön werden? Webseiten und Apps haben sich auf Voraussagen spezialisiert und geben Empfehlungen, wo mit größter Wahrscheinlichkeit über die Feiertage in Deutschland kein Regenschirm benötigt werden wird. Denn Pfingsten ist vor allem ein Fest der Freizeit und Feiertagsaktivitäten geworden, für jedermann, mit Ausflügen in die neu erblühende und grünende Natur - per Fuß im Wandern, per PKW oder Rad oder einfach nur im Spazierengehen, mit Freunden oder der ganzen Familie. Der ursprüngliche Sinnbezug von Pfingsten als wichtiges Fest im christlichen Jahreslauf tritt dabei für viele immer mehr zurück. Laut Umfragen denken drei Viertel der befragten Ostdeutschen und knapp über die Hälfte der Westdeutschen an Pfingsten nicht mehr an das Fest des Heiligen Geistes, das es für Christen ist, sondern vorrangig an ein Frühsommerfest mit viel Freude im Grünen.

Auferstehung Christi
Auferstehung Christi

Kirchliche Sinngebung des Pfingstfestes - das Fest des „Heiligen Geistes"

Die christlichen Kirchen begehen mit Pfingsten das Fest der Sendung des Heiligen Geistes am fünfzigsten Tag nach der Auferstehung von Jesus Christus und in der Herabkunft des Heiligen Geistes in Form von Flammen ihr Geburtsfest. Die biblische Begründung des Pfingstfestes findet sich in der Apostelgeschichte (2, 1 ff.), die die Ausgießung des Heiligen Geistes beschreibt, das so genannte „Pfingstwunder": Die Juden in Jerusalem sahen im Gottesdienst bei der Schawuotfeier „Zungen, zerteilt wie von Feuer" auf alle als Heiligen Geist herabsinken, der sie in fremden Sprachen sprechen und sich alle untereinander verstehen ließ; Petrus als Anführer der Jünger Jesu bezeugte in seiner Pfingstpredigt die Auferstehung sowie Himmelfahrt Christi und begann zu taufen.

Pfingsten ist seit etwa 130 belegt und seit dem 4. Jahrhundert eines der drei Hauptfeste im Kirchenjahr der Christen. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit entstanden kirchliche Bräuche, wobei zur Unterstützung des Verständnisses des Pfingstgeschehens während des Gottesdienstes hölzerne Tauben oder brennendes Werg durch das „Heilig-Geist-Loch" herabgelassen wurden.

Im Kirchenkalender bildet das Pfingstfest den Abschluss der österlichen Festzeit. Der Name „Pfingsten" deutet noch darauf hin: Denn das deutsche Wort „Pfingsten" stammt von dem griechischen Begriff „pentekoste", der so viel wie „fünfzigster(Tag)" bedeutet und „nach Ostern" meint. Denn dieser fünfzigste Tag nach dem ersten Passahfesttag war der Termin für das jüdische „Wochenfest", das auch „Pentekoste", „Fest des fünfzigsten Tages" genannt wurde. Durch den zeitlich festen Bezug auf Ostern ist Pfingsten wie Ostern ein terminlich variables Fest und wechselt im Kalender zwischen dem 10. Mai als frühesten und dem 13. Juni als spätesten Termin.

Christus in der Mandorla
Christus in der Mandorla

Schon sein Name verrät, dass Pfingsten als wichtiges christliches Fest geschichtlich aus dem jüdischen Wochenfest „Schawuot" hervorgegangen ist, einem jüdischen Erntefest, dem „Fest der Weizenernte". Es gibt Ausdeutungen, die Pfingsten als „Erntefest Christi" verstehen, das sich in der Gründung der Kirche manifestiert. Diese religiöse Bedeutung des Pfingstfestes ist aber laut genannter Umfragen für vier Fünftel der Ostdeutschen und zwei Drittel der Westdeutschen heute überhaupt nicht mehr relevant.

Die Bedeutung und Feier von Pfingsten unterscheidet heute auch in Deutschland die evangelische und katholische Kirche. Während bei der katholischen Kirche die festliche Beendigung der 50-tägigen Osterfeier im Zentrum steht, betont die evangelische Kirche die Ausrüstung der Jünger mit dem Heiligen Geist, die sie zur Mission befähigte - und damit das Geburtsfest der Kirche. Für den katholischen Gottesdienst ist Pfingsten neben Ostern zum zweiten wichtigen Tauftermin geworden, ebenso zum Termin für die Kommunion; in den evangelischen Kirchen ist der Pfingstsonntag heute in vielen Gemeinden der Termin der Konfirmation.

Inhaltlich ist das christliche Pfingstfest eng verbunden mit dem Fest der Himmelfahrt Christi, der Auffahrt Jesu Christi in den Himmel, die erst nach dem 4. Jahrhundert einen eigenen kirchlichen Feiertag erhielt und heute zehn Tage zuvor begangen wird, also am Donnerstag in der Woche vor Pfingsten. Bis zum 4. Jahrhundert wurden beide Feste von den Christen noch zusammen an einem Tag gefeiert. Dieser Feiertag, der heute auch Gottesdienste im Freien kennt, wurde seit Ende des 19. Jahrhunderts aber von Preußen ausgehend zum Termin von feucht-fröhlichen Herrenpartien und „Männertags"- bzw. „Vatertagsausflügen", die nicht selten in unmäßigem Alkoholgenuss endeten und enden - mit allen seinen Begleiterscheinungen. Erfreulicherweise ist diese Brauchpraxis inzwischen aber in der Tendenz wieder rückläufig geworden.

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Bildquellen:

Ausgießung des heiligen Geistes im Rabbula-Evangeliar (586), gemeinfrei

Auferstehung Christi, 1499, von Perugino. Zu diesem Bildtypus gehört die Fahne als Symbol des Sieges über den Tod., gemeinfrei

Christus in der Mandorla, von Engeln getragen. Tempera auf Holz von Andrea Mantegna (um 1461), gemeinfrei