Deutschland Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.deutschland-lese.de

Weiterempfehlen

Unser Leseangebot

Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Mailied

Während seiner Straßburger Studentenzeit begleitete Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832) einen Studienfreund nach Sesenheim (französisch: Sessenheim) im Elsaß, wo sie von der Familie des Ortspfarrers Brion gastfreundlich aufgenommen wurden. Goethe verliebte sich in Friederike, die damals etwa 19jährige jüngste Tochter des Pfarrers. In mehreren Gedichten brachte er seine Gefühle zum Ausdruck. Sie wurden später als „Sesenheimer Lyrik“ zusammengefasst. Hierzu gehört auch das Mailied, eines der schönsten Liebesgedichte in der deutschen Literatur. Es wurde u. a. von Ludwig van Beethoven vertont.

Florian Russi

Wie herrlich leuchtet mir die Natur!
Wie glänzt die Sonne, wie lacht die Flur!
Es dringen Blüten aus jedem Zweig
Und tausend Stimmen aus dem Gesträuch,
Und Freud' und Wonne aus jeder Brust.
O Erd', o Sonne, o Glück, o Lust!

O Lieb', o Liebe! So golden schön
Wie Morgenwolken auf jenen Höhn!
Du segnest herrlich das frische Feld,
Im Blütendampfe die volle Welt.
O Mädchen, Mädchen, wie lieb' ich dich!
Wie blickt dein Auge, wie liebst du mich!

So liebt die Lerche Gesang und Luft,
Und Morgenblumen den Himmelsduft,
Wie ich dich liebe mit warmem Blut,
Die du mir Jugend und Freud' und Mut
Zu neuen Liedern und Tänzen gibst.
Sei ewig glücklich, wie du mich liebst.

 

*****

Vorschaubild: Rita Dadder