Deutschland Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.deutschland-lese.de

Weiterempfehlen

Unser Leseangebot
Strandgut
Ein Inseltagebuch

Berndt Seite

Die Ostsee ist ein Sehnsuchtsort, an dem man seine Gedanken mit dem Meer schweifen lassen kann. Beim Anblick der Wellenbewegungen kommen Erinnerinerungen an das Auf und Ab des Lebens auf. In eindrucks- und stimmungsvollen Bildern beschreibt Berndt Seite in seinem Tagebuch philosophische Reflexionen in Rückblick auf sein privates und poltisches Leben. Das raue und derbe Klima der Ostsee, die verschiedenen Jahreszeiten am Meer haben dabei ihren ganz eigenen Charme und helfen ihm, alte Dinge abzustreifen und wieder zu sich selbst zu finden.

Sehnsucht

Von der Versuchung eines Christen

Joseph von Eichendorff (1788 - 1857) war einer der bedeutendsten Romantiker und hat sich als religiöser, tugendhafter, ja fast biederer Autor, Beamter, Ehemann und Familienvater ins Bewusstsein seiner Leser eingeprägt. Das Gedicht „Sehnsucht" zeigt, dass auch er sich mit Verlockungen auseinanderzusetzen hatte, welche die Beschäftigung mit Kunst unwillkürlich mit sich bringt. Auch das „lyrische Ich" dieses Gedichts „trafen Liebesblicke" und es hört ungeduldig „Rosse scharren" und hatte eine Ahnung von Schönheit und Glück, die außerhalb des gewohnten Lebensraums stehen. Er sehnt sich danach. Nachdem er sich aber einmal für die Treue entschieden hat, will er mit „Freuden und Schmerzen" dabei bleiben und sein Herz nicht entweichen, sondern eher „untergehen". In seinem Verzicht tritt auch Resignation erkennbar hervor.

Florian Russi

Selig, wer zur Kunst erlesen,
Ruhig in getreuer Lust,
Hoher Dinge seltsam Wesen,
Selber froh erschreckt, mag lesen
In der Wundervollen Brust!

Wie die Rosse mutig scharrten!
Ach! die Freunde sind voraus!
Draußen blüht der schöne Garten,
Draußen Wald und Liebchen warten,
Und ich kann nicht, kann nicht raus!

Bleib' ich ewig fern vom Glücke? -
Wen die Treue ganz durchdrang,
Einmal trafen Liebesblicke,
Ach! er kann nicht mehr zurücke,
Und ich kniee Lebenslang.

Lodert, lodert heilge Kerzen!
Bleibet unerhört mein Flehn:
Will ich in den Freuden, Schmerzen,
Mit dem unentweihten Herzen
Treu und heilig untergehn.

 

*****

Vorschaubild Rita Dadder (Brunnen im Garten des Restaurants Troika in Obergrundstedt (Weimar/Thüringen)