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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Deutsches Jugendherbergswerk (DJH)

Deutsches Jugendherbergswerk (DJH)

Carolin Eberhardt

Jugendherbergen blicken heute auf eine über 100-jährige Tradition zurück. Die Idee zur Eröffnung solcher Einrichtungen reifte bereits 1909, als der Lehrer Richard Schirrmann und dessen Mitbegründer Wilhelm Münker und Julius Schult, alle drei ihres Zeichens SGV-Vereinsfunktionäre (Sauerländischer Gebirgsverein), die Jugendherbergen zunächst ausschließlich für die vereinsinterne Jugendarbeit kreierten. Ein Schlüsselerlebnis bewegte Schirrmann zu seiner Gründungstat. Bei einer achttägigen Wanderung von Altena nach Aachen mit einer Gruppe Schülern suchte Schirrmann während eines Unwetters am 26. August 1909 nach einer Unterkunft. Ein in der nähe lebender Bauer verwährte der Gruppe den Zugang zu seiner Scheune, so dass diese letztlich in der Dorfschule unterkam. Es erwuchs in Schirrmann die Idee, eine Unterkunft zu eröffnen, die für jeden Wanderfreund offenstehen würde. Die erste Jugendherberge mit öffentlichem Zugang wurde 1912 in Altena eröffnet. Diese war jedoch in der ersten Zeit ausschließlich während den Ferienzeiten nutzbar, was sich dann 1914 änderte, als die Burg Altena eine dauerhafte Öffnung für Gäste vorhielt. In der Burg waren große Schlafsäle für Gruppen sowie kleinere Zimmer für die Betreuer eingerichtet, die heute noch als Teil des Museums besichtigt werden können. Schirrmann, Münker und Schult gründeten 1912 den eigetragenen Verein „Ausschuß für Jugendherbergen“, bei dem Schirrmann den Vorsitz übernahm, Münker als Geschäftsführer eingesetzt wurde und Schult als drittes Vorstandsmitglied fungierte.

Die Regeln für die Übernachtung waren beinah so wie in den heutigen Herbergen. Die Betten wurden selbst bezogen, die Füße gewaschen, das Geschirr gespült, Nachtruhe war ab 22 Uhr einzuhalten. Natürlich waren auch damals schon Alkohol und Rauchen streng verboten. Schirrmann selbst übernahm die Stelle des Herbergsvaters. Weitere zahlreiche Burgen und andere kulturelle Gebäude wurden in den folgenden Jahren als Jugendherbergen umfunktioniert. 

Das Deutsche Jugendherbergswerk war zunächst in personellen und logistischen Belangen eng mit dem Sauerländischen Gebirgsverein verbunden. In das Konzept der Jugendherbergen flossen sehr moderne und fortschrittliche Ideen, wie die Reformpädagogik, die Jugendbewegung und die Lebensreform, ein,  der Verein konnte sich schon früh einer gesellschaftlichen und staatlichen Förderung erfreuen. Die Grundlagen für einen Gesamtverband auf dem ganzen Reichsgebiet wurden bereits während des Ersten Weltkriegs gelegt. 1919 erfolgte die Gründung des „Zentralen Hauptausschuß(es) für Jugendherbergen“, bereits 1932 war die Anzahl der deutschen Jugendherbergen auf nicht weniger als 2.123 angewachsen, die Übernachtungszahlen erreichten in diesem Jahr 4,5 Millionen. 

Während der Herrschaft der Nationalsozialisten unterlagen die Jugendherbergen der politischen Führung. 1933 unterzeichnete Schirmmann das sogenannte „Kösener Abkommen“ zur „Zusammenarbeit von Jugendherbergsverband und Reichsjugendführung der NSDAP“. Genanntes Abkommen integrierte den Verband in die Hitler-Jugend, auch wurden infolgedessen verbandsintern sozialdemokratisch orientierte und jüdische Funktionäre aus ihren Ämtern entlassen. 

Auf Grund der politischen Unterwanderung durch die NSDAP und anlässlich der Erschaffung einer neuen Staatsform in Deutschland, gründete sich auch der Hauptverband der Jugendherbergen 1949 auf der Burg Altena neu. 1990 konnte mit dem Anschluss der Landesverbände der Neuen Bundesländer ein großer Meilenstein verzeichnet werden.

Heute ist das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) als gemeinnütziger Verein mit Hauptsitz in Detmold eingetragen und fungiert als Träger der 14 Landesverbände sowie 178 ehrenamtlich tätiger Orts- und Kreisverbände. Mit Stand 2021 verfügte der Verein insgesamt über 438 Jugendherbergen in Deutschland und ist somit als größtes Mitglied innerhalb des Internationalen Jugendherbergsverbandes (Hostelling International) vertreten. Dass die Angebote des DJHs ihre Abnahme finden, beweisen seine 2,39 Millionen Mitglieder.

Die Nutzung der Jugendherbergen ist dabei sehr vielseitig: ob bei Klassenfahrten, Familienausflügen oder Städtekurztrips, als Tagungsstätte oder als Räumlichkeit für andere Veranstaltungen. Zum einen durch die zentrale Lage mit guter Infrastruktur in den städtischen Jugendherbergen, zum anderen durch eine gute Anbindung zu Wanderwegen und –zielen in ländlichen Regionen werden die rund 450 deutschen Jugendherbergen bei verschiedenen Gelegenheiten als Unterkunft genutzt. Der Mitgliederkreis beschränkt sich folglich nicht nur auf die Jugend, sondern deckt weit größere Zielgruppen ab. Voraussetzung für die Übernachtung ist lediglich die gültige Mitgliedschaft.

In den meisten Jugendherbergen steht in den öffentlichen Räumen ein WLAN-Zugang zur Verfügung, eine Barrierefreiheit ist ebenso gegeben wie eine besonders familienfreundliche Ausstattung. Einige Einrichtungen halten Partnerschaften zu kulturellen Institutionen vor, so wie die „Maxim Gorki“ in Weimar, welche durch ihre Kooperation mit dem Deutschen Nationaltheater ihren Gästen eine Vergünstigung für kulturelle Veranstaltungen anbieten kann.

Die Arbeit des DJH fokussiert sich nach wie vor auf die Jugend und deren Förderung. So stehen in den Ferienzeiten unterschiedliche Ferienlagerangebote zur Verfügung. Das Preis-Leistungs-Verhältnis wird dabei sehr gut gestaltet. Auch werden Sprachreisen, wie ein Englischcamp, angeboten. Zusätzlich finden sich auf der Website des Trägers außergewöhnliche themenbezogene Angebote für Klassenfahrten oder Familienreisen, so zum Beispiel die Zirkus-Klassenfahrt. Trotz der gelungenen Anpassungen an die heutigen Bedürfnisse ihrer Zielgruppen, werden in den Jugendherbergen die ursprünglichen Prinzipien des Vereins weiterhin gelebt und vermittelt. Der Slogan „Gemeinschaft erleben“ steht unter anderem für Toleranz, Inklusion, Völkerverständigung und Weltoffenheit.

 

Adresse:

 

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Textquellen:

Kraus, Eva: Das Deutsche Jugendherbergswerk 1909-1933: Programm-Personen-Gleichschaltung, 1. Auflage, Berlin: Pro BUSINESS GmbH, 2013.

Website des Deutschen Jugendherbergswerks abgerufen von: >https://www.jugendherberge.de/?gclid=CjwKCAjw7cGUBhA9EiwArBAvonQH1S9QmmKwiafy3ib2mx1kMr4xCQtow
FPJBOC6iFxdmrT75O8blxoCb9YQAvD_BwE
< am 27.05.2022.

>https://aktuelles.diejugendherbergen.de/die-geschichte-der-jugendherbergen/< abgerufen am 27.05.2022. 

Schäfer: Helmut: Geschichte des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH), 2018 abgerufen von >https://www.heimatjahrbuch-vulkaneifel.de/VT/hjb2018/hjb2018.50.htm< am 27.05.2022.

Härig: Beatrice: Jugendherbergen im 21.Jahrhundert: Selfie mit Ritterrüstung, 2018 abgerufen von >https://www.monumente-online.de/de/ausgaben/2018/3/jugendherbergen.php< am 27.05.2022.

 

Bildquellen:

VorschaubildLogo des Deutschen Jugendherbergswerks, mit freundlicher Genehmigung des Landesverbandes.

Statue von Richard Schirrmann, Altena, Deutschland, 2006, Urheber: Stefan Flöper via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

Schild der 1. Jugendherberge der Welt auf der Burg Altena, 2012, Urheber: Stephan Sensen via Wikimedia Commons CC BY-SA 3.0.

Bistro „Schirrmann's“ in der Jugendherberge Oldenburg, 2019, Urheber: Björn Reschabek via Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0.

 

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