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Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Wer war Lilith?

Wer war Lilith?

Florian Russi

Die erste Feministin?

„Wer ist Lilith?", fragt Dr. Faust in Goethes Drama seinen Begleiter Mephisto, und der antwortet: „Adams erste Frau." - War deren Name nicht Eva? Tatsächlich heißt es in der Bibel (Genesis 1, 27): „Und Gott schuf den Menschen als sein Bild. Als Gottes Bild schuf er ihn. Er schuf ihn als Mann und als Frau." Im 3. Buch der Genesis (3, 20) taucht dann erstmals der Name der Frau auf: „Da gab der Mensch" (gemeint ist Adam) „seiner Frau den Namen Eva." Von einer Lilit(h) ist in der Bibel nur ein einziges Mal die Rede. Im Buch Isaias (34, 14) findet sich der Satz: „Mit Wölfen streiten Wildkatzen sich um Plätze; Bocksgeister treffen einander. Dort wird auch die Lilith verweilen und ihre Behausung finden." In den meisten Bibelübersetzungen ist dabei aber nicht von Lilith, sondern von einem Nachtgeist die Rede. Auch im Talmud, der hebräischen Bibelexegese findet sich nur ein kurzer, wenig aussagekräftiger Bezug auf Lilith, in dem es heißt: „Einer sollte nicht allein in einem Haus schlafen, und wer in einem Haus allein schläft, wird von Lilith geplagt." Das aber kann vieles bedeuten.

Aus der Bibel lässt sich also nicht ableiten, dass Adam neben Eva noch eine Frau namens Lilith gehabt hätte. Diesen Schritt gingen dennoch im 13. Jahrhundert der jüdische Rabbi Issak ben Jakob ha Cohen und einige seiner Schüler. Rabbi Isaak war ein Mystiker und legte den Talmud nach eigenen Eingebungen aus. Nach seiner Darstellung war Lilith aus metaphysischen Quellen hervorgegangen und von ihm beim Ergründen dieser Quellen entdeckt bzw. erkannt worden. Für einen kritisch-rational denkenden Betrachter ist Lilith demnach das Produkt einer tiefgründigen Phantasie und keine historische Person. Umso mehr wurde sie zum Gegenstand weiterer Spekulationen und Phantasien.

In vielfältigen Erzählungen, künstlerischen Darstellungen und Projektionen wurde sie außer zur Frau Adams auch zum verstoßenen Engel, zur Hexe und Massenmörderin sowie zur Königin von Dämonen und Vampiren. Vor allem Feministinnen haben sich ihrer Figur bemächtigt und sie zur Heldin stilisiert, die sich im Gegensatz zu Eva ihrem Mann Adam nicht unterworfen und sogar dem Teufel widerstanden habe.

Gestützt wird die Lilith-Vorstellung auch dadurch, dass es eine von den Sumerern (seit ca. 6000 v. Chr.) verehrte Wind- bzw. Lichtgöttin mit dem Namen LIL.LU gab, auf den sich auch Lilith beziehen könnte. Da also Lilith einen agnostischen, d.h. wissenschaftlich nicht belegbaren oder mythischen Ursprung hat, lässt sie sich bestens und durchaus legitim als Symbol- und Wunschfigur für viele Anliegen und Vorstellungen einsetzen.

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Bildquellen:

Lilith (Gemälde) - John Collier, 1892, gemeinfrei

Lilith (Porzellanentwürfe) Edith Born, urheberrechtlich geschützt

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