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Weihnachten bei Familie Luther

Christoph Werner

Luthers jüngster Sohn erzählt vom Christfest

Paul Luther, der jüngste Spross der Lutherfamilie, gewährt dem Leser Einblick in sein Leben und das seiner Familie.
Er berichtet von seiner Kindheit in Wittenberg und der Krankheit seines Vaters, von seiner Verwicklung, die ihm als Leibarzt widerfuhren, und von den Intrigen am Gothaer Hof. Reichlich illustriert öffnen sie dem Leser die Tür zur Weihnachtsstube der Familie Luther.

Finde Deine Rolle

Finde Deine Rolle

James Keller

Die folgende sinnreiche Geschichte ist dem Buch „Du kannst die Welt verwandeln“ entnommen, das im Jahr 1948 erstmals erschien und in den USA sowie in Deutschland viel Beachtung fand:

Sobald ein Mensch auch nur teilweise die Rolle begreift, die er spielen kann, bekommt alles ein neues und hoffnungsvolles Aussehen. Die Erzählung von den drei Arbeitern, die am Bau einer Kathe­drale arbeiteten, möge dies veranschaulichen.

Der erste Mann war ein Mensch von nichtssagendem Äußeren. Als er gebeten wurde, seine Arbeit näher zu erklären, antwor­tete er gelangweilt, dass er seine ganze Zeit damit verbringe, Steinblöcke zu behauen. Und er fügte hinzu: „Wenn ich nicht für meinen und meiner Familie Lebensunterhalt sorgen müßte, würde ich augenblicklich aufhören!“

Die Arbeit des zweiten Mannes bestand darin, das Holz zu­recht zu sägen, das bei dem Bau verwendet wurde. Auch er sprach gleichgültig von seiner Arbeit, und sein ständiges Klagen bewies deutlich, dass er nicht mit dem Herzen bei der Arbeit war.

Der dritte Arbeiter besaß nicht die Handfertigkeit der beiden anderen. Er trug nur die Steine und Balken, welche die an­deren zurichteten. Aber während er die schweren Lasten müh­sam hin und her schleppte, sang und pfiff er. Allem Anschein nach war seine Arbeit am wenigsten anziehend und begeisternd und die eintönigste, und doch verrichtete er sie voll Eifer und Begeisterung.

Keiner seiner Arbeitskameraden konnte das verstehen: und eines Tages fragte ihn ein Neuankömmling, der ihn nicht so gut kannte, geradeheraus nah dem Grund seiner guten Laune.

„Welche Art Arbeit verrichtest du?“ fragte er. „Was ist deine Tätigkeit?“

Die Antwort des munteren Arbeiters war kurz und schlicht, und doch gab sie das ganze Bild seiner mühevollen Arbeit wieder. „Was ich tue?“ wiederholte er. „Nun, ich baue eine Kathedrale!“

Im wahrsten Sinne des Wortes baute er eine Kathedrale. Wenn seine Rolle bei dem ganzen Unternehmen auch gering und unbedeutend war, so war er trotzdem ein wichtiger Faktor. Der Bau konnte ohne ihn oder jemand seinesgleichen nicht errichtet werden. Und weil er eine große Auffassung von seiner Arbeit hatte, verlieh diese seinem bescheidenen Tun große Bedeutung.

*****

Vorschaubild. Lastenträger an der Kathedrale Santa Maria del Mar in Barcelona. Bastaix a la porta principal de Santa Maria del Mar, Barcelona. Von Xcaballe - Flickr, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15...

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