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Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

In einem Polenstädtchen

In einem Polenstädtchen

Der Verfasser des Volksliedes ist unbekannt, vermutet wird eine traditionelle Überlieferung. Erstmalig erschien „In einem Polenstädtchen“ im „Liederbuch des jungdeutschen Ordens“ (1921). Doch geht das einst bei Soldaten sehr beliebte Lied auf ein älteres Volkslied aus dem 19. Jahrhundert zurück. „Im Dörfchen wo ich leb“, auch unter „Ich küsse nicht“ bekannt geworden, erschien bereits 1846 in „Deutscher Liederkranz“.

Neben den hier angeführten Strophen haben sich weitere Variationen überliefert. So heißt es in der „Weltkriegs-Liedersammlung“ von 1926 nicht „Polenstädtchen“, sondern „Schlesienstädtchen“. Unüblich war es im Krieg nicht, dass sich Soldaten mit den einheimischen Mädchen einließen, umgedreht im Übrigen genauso. Denn mit Krieg verbunden ist stets auch Armut, Leid und Hunger der Zivilbevölkerung. Die Soldaten hingegen konnten oft einige Güter anbieten, ob Nahrungsmittel, Alkohol oder Zigaretten, die das Überleben der Familien sicherten, ob durch den Verzehr oder durch den Handel mit den Waren.

Carolin Eberhardt

Melodie anhören:

  1. Strophe

In einem Polenstädtchen,

da lebte einst ein Mädchen,

das war so schön.

Sie war das allerschönste Kind,

das man in Polen find't.

„Aber nein, aber nein“, sprach sie,

„ich küsse nie“

 

  1. Strophe

Wir spielten einst noch Mühle

ich gewann in diesem Spiele

und sprach zu ihr:

Lös deines Spieles, Spieles Schuld

durch eines Kusses Huld.

„Aber nein, aber nein“, sprach sie,

„ich küsse nie“

 

  1. Strophe

Ich führte sie zum Tanze,

da fiel aus ihrem Kranze

ein Röslein rot.

Ich hob es auf von ihrem Fuß

und bat um einen Kuß.

„Aber nein, aber nein“, sprach sie,

„ich küsse nie“

 

  1. Strophe

Und als der Tanz zu Ende,

wir reichten uns die Hände

zum letzten Mal;

sie lag, sie lag in meinem Arm,

mir schlug das Herz so warm.

„Aber nein, aber nein“, sprach sie,

„ich küsse nie“

 

  1. Strophe

Doch in der Abschiedsstunde

da kam aus ihrem Munde

das eine Wort:

„So nimm, du Dussel, Dusseltier

den ersten Kuß von mir,

vergiss Maruschka nicht,

das Polenkind!“

Hier geht es zum Notendownload

 

*****

Vorschaubild: Kurpie-folklore-woman, 1902, Urheber: Samuel Orgelbrand via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

Notensatz: Carolin Eberhardt.

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