Deutschland-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Deutschland-Lese
Unser Leseangebot

Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Feldeinwärts flog ein Vögelein

Feldeinwärts flog ein Vögelein

Ludwig Tieck

Nicht nur bunte Blätter, die nach und nach durch den kühlen Wind von den Bäumen gepflückt werden und die Erde bald wie ein Flickenteppich bedecken sind ein Sinnbild für den Herbst. Auch die Zugvögel verdeutlichen den baldigen Abschied von den lauen Sommernächten. Wildgänse kreisen lautstark über mancher Stadt, in Formation, organisiert und zielgerichtet. Das Vöglein in diesem Herbstlied aber kehrt nochmals zurück, da es die Trauer des Menschen bemerkt hat. Zum Trost zwitschert es ein letztes zartes Lied, der Zuhörer erkennt darin den Satz: „Die Liebe wintert nicht, nein, nein! Ist und bleibt Frühlingsschein! Ja, ja Frühlingsschein!“

Carolin Eberhardt           

1. Strophe

Feldeinwärts flog ein Vögelein

und sang im muntern Sonnenschein

mit süßem wunderbaren Ton:

„Ade! Ich fliege nun davon,

|: weit, weit :| weit, weit reis'

ich noch heut', |: weit, weit :|“

 

2. Strophe

Ich horchte auf den Feldgesang,

mir ward so wohl und doch so bang.

Mit frohem Schmerz, mit trüber Lust

stieg wechselnd bald und sank die Brust

|: Herz, Herz, Herz :| brichst du vor Wonn'

und Schmerz? |: Herz, Herz :|

 

3. Strophe

Doch als ich Blätter fallen sah,

da sagt' ich: „Ach! Der Herbst ist da,

der Sommergast, die Schwalbe, zieht,

vielleicht so Lieb' und Sehnsucht flieht

|: weit, weit :| weit, weit,

rascht mit der Zeit, |: weit, weit :|“

 

4. Strophe

Doch rückwärts kam der Sonnenschein,

dicht zu mir drauf das Vögelein,

es sah mein tränend Angesicht

und sang: „Die Liebe wintert nicht,

|: Nein, nein! :| ist und bleibt

Frühlingsschein! Ja, ja Frühlingsschein!“

Notendownload: hier

 

*****

Vorschaubild: Petra Lefin, 2021.

Notensatz von Carolin Eberhardt.

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Näher rückt die trübe Zeit
von Johann Georg Daniel Arnold
MEHR
Der Vögel Abschied
von Joseph von Eichendorff
MEHR
Das Laub fällt von den Bäumen
von Siegfried August Mahlmann
MEHR
Zum Erntekranze
von Hoffmann von Fallersleben
MEHR
Anzeige
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen