Kommt Ihnen die Melodie dieses Mailiedchens nicht irgendwie bekannt vor? Das ist nicht weiter verwunderlich. Sie stammt bereits aus dem frühen 18. Jahrhundert, was allerdings nicht der Grund dafür ist, warum sie Ihnen so bekannt vorkommt. Vielleicht kennen Sie es eher aus Ihren Kindertagen? Ja, ganz recht, auf die gleiche Melodie singen wir nur zu gern „Hänschen klein“. Deswegen ist es auch nicht so schwer, sich in „Alles neu macht der Mai“ hineinzufinden. Der Text für das Frühlingslied stammt aus der Feder des in Ruhrort geborenen deutschen Schriftstellers Hermann Adam von Kamp (1796-1867), welchen er 1818 verfasste und 1829 veröffentlichte. Tatsächlich also noch vor der Textfassung zu „Hänschen klein“, welche erst 1860 von dem Dresdner Lehrer Franz Wiedemann veröffentlicht wurde. „Alles neu macht der Mai“ wird heute zum lyrischen Kulturgut der deutschen Sprache gezählt.
Carolin Eberhardt
1. Alles neu macht der Mai,
macht die Seele frisch und frei.
Lasst das Haus, kommt hinaus!
Windet einen Strauß!
Rings erglänzet Sonnenschein,
duftend prangen Flur und Hain:
Vogelsang, Hörnerklang
tönt den Wald entlang.
2. Wir durchziehn Saaten grün,
Haine, die ergötzend blüh'n,
Waldespracht, neu gemacht
nach des Winters Nacht.
Dort im Schatten an dem Quell
rieselnd munter silberhell
Klein und Groß ruht im Moos,
wie im weichen Schoß.
3. Hier und dort, fort und fort,
wo wir ziehen, Ort für Ort,
alles freut sich der Zeit,
die verschönt erneut.
Widerschein der Schöpfung blüht
uns erneuernd im Gemüt.
Alles neu, frisch und frei
macht der holde Mai.
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Vorschaubild: Maiglöckchenstrauß: abgerufen von >https://pixabay.com/de/photos/maigl%c3%b6ckchen-wei%c3%9fe-blumen-feder-1693516/< am 16.03.2026; Urheber: AlinaCMusat auf Pixabay
Notensatz: © Carolin Eberhardt.