Deutschland-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Deutschland-Lese
Unser Leseangebot

Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen

Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen

Nachtwächterlied

Dieses sogenannte Nachtwächterlied, dessen Melodie nach einem Choral aus dem Jahre 1608 nachempfunden ist, berichtet zum Teil von dem historischen Beruf des Nachtwächters, dessen Aufgabe darin bestand, nachts auf den Straßen und Gassen für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Darüber hinaus warnte er vor Feuern und gab stündlich die Zeit an. Auch das Lied Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen, berichtet vom Schlag der Glocke, wobei die Zeilen stark christlich geprägt sind. Ein Verfasser des Textes ist nicht hinterlegt, allerdings erschien das Nachtwächterlied 1893/94 im Deutschen Liederhort mit einem Text von Erk Böhme.

Bianca Geurden

Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen

Worte: mündlich überliefert
Weise: Choral aus dem Jahre 1608

1. Strophe
Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen,
unsre Glock' hat zehn geschlagen:
Zehn Gebote setzt Gott ein;
dass wir sollen glücklich sein.
Refrain
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott wird wachen, Gott wird schützen.
Herr, durch Deine Güt' und Macht,
schenk uns eine gute Nacht.

2. Strophe
Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen,
unsre Glock' hat elf geschlagen.
Elf der Jünger blieben treu,
einer trieb Verräterei.
Refrain
Menschenwachen ...

3. Strophe
Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen,
unsre Glock' hat zwölf geschlagen:
Zwölf das ist das Ziel der Zeit;
Mensch bedenk die Ewigkeit.
Refrain ...

4. Strophe
Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen,
unsre Glock' hat eins geschlagen:
Ist nur ein Gott in der Welt,
ihm sei alles anheim gestellt.
Refrain ...

5. Strophe
Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen,
unsre Glock' hat zwei geschlagen:
Zwei Weg hat der Mensch vor sich,
Herr, den rechten lehre mich!
Refrain ...

6. Strophe
Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen,
unsre Glock' hat drei geschlagen:
Drei ist eins, was göttlich heißt,
Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Refrain ...

7. Strophe
Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen,
unsre Glock' hat vier geschlagen:
Vierfach ist das Ackerfeld,
Mensch, wie ist dein Herz bestellt?
Refrain
Alle Sternlein müssen schwinden,
und der Tag wird sich einfinden.
Danket Gott, der uns die Nacht
hat so väterlich bewacht.

*****

 

Vorschaubild, Nachtwächter aus Erbach im Odenwald, Wilhelm Trübner (1851-1917), gemeinfrei

Noten gesetzt von Oliver Räumelt - freischaffender Musiker aus Weimar

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Schlafe, mein Prinzchen
von Friedrich Wilhelm Gotter
MEHR
Guten Abend, gute Nacht
von Johannes Brahms
MEHR
Anzeige
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen