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Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen

Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen

Nachtwächterlied

Dieses sogenannte Nachtwächterlied, dessen Melodie nach einem Choral aus dem Jahre 1608 nachempfunden ist, berichtet zum Teil von dem historischen Beruf des Nachtwächters, dessen Aufgabe darin bestand, nachts auf den Straßen und Gassen für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Darüber hinaus warnte er vor Feuern und gab stündlich die Zeit an. Auch das Lied Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen, berichtet vom Schlag der Glocke, wobei die Zeilen stark christlich geprägt sind. Ein Verfasser des Textes ist nicht hinterlegt, allerdings erschien das Nachtwächterlied 1893/94 im Deutschen Liederhort mit einem Text von Erk Böhme.

Bianca Geurden

Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen

Worte: mündlich überliefert
Weise: Choral aus dem Jahre 1608

1. Strophe
Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen,
unsre Glock' hat zehn geschlagen:
Zehn Gebote setzt Gott ein;
dass wir sollen glücklich sein.
Refrain
Menschenwachen kann nichts nützen,
Gott wird wachen, Gott wird schützen.
Herr, durch Deine Güt' und Macht,
schenk uns eine gute Nacht.

2. Strophe
Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen,
unsre Glock' hat elf geschlagen.
Elf der Jünger blieben treu,
einer trieb Verräterei.
Refrain
Menschenwachen ...

3. Strophe
Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen,
unsre Glock' hat zwölf geschlagen:
Zwölf das ist das Ziel der Zeit;
Mensch bedenk die Ewigkeit.
Refrain ...

4. Strophe
Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen,
unsre Glock' hat eins geschlagen:
Ist nur ein Gott in der Welt,
ihm sei alles anheim gestellt.
Refrain ...

5. Strophe
Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen,
unsre Glock' hat zwei geschlagen:
Zwei Weg hat der Mensch vor sich,
Herr, den rechten lehre mich!
Refrain ...

6. Strophe
Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen,
unsre Glock' hat drei geschlagen:
Drei ist eins, was göttlich heißt,
Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Refrain ...

7. Strophe
Hört, ihr Herrn, und lasst euch sagen,
unsre Glock' hat vier geschlagen:
Vierfach ist das Ackerfeld,
Mensch, wie ist dein Herz bestellt?
Refrain
Alle Sternlein müssen schwinden,
und der Tag wird sich einfinden.
Danket Gott, der uns die Nacht
hat so väterlich bewacht.

*****

 

Vorschaubild, Nachtwächter aus Erbach im Odenwald, Wilhelm Trübner (1851-1917), gemeinfrei

Noten gesetzt von Oliver Räumelt - freischaffender Musiker aus Weimar

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