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Matt Lamb Kirche Bergern

Klaus von der Weiden, Susanne Wellhöfer

Es klingt fast wie ein Märchen, da kommt ein großer amerikanischer Künstler in ein kleines thüringisches Dorf und gestaltet dort die bisher unbedeutende Dorfkirche mit seinen Werken aus. Und doch ist es so geschehen in Bergern unweit der Kleinstadt Bad Berka. Die kleine Broschüre erzählt von der Kirche, dem Künstler und dem Werk, und wie es zu dieser unglaublichen Begenheit kam.

Winterabend

Winterabend

Theodor Fontane

Der deutsche Dichter Theodor Fontane, ein bedeutender Vertreter des Realismus, ist nicht nur bekannt durch seinen Roman „Effi Briest“ und viele andere Romane und Novellen, sondern insbesondere für seine Vielzahl an Gedichten. Das vorliegende Gedicht „Winterabend“ handelt nicht, wie der Titel vermuten lässt, vorrangig von winterlichen Impressionen der Natur, sondern vielmehr um eine vertraute und zärtliche Zweisamkeit in der kalten Jahreszeit. Das „Schneegeflimmer“ der Flocken wies dem Liebenden den Weg zu seiner Geliebten in die warme Stube. Sobald der Geliebte die Stube betritt, so lässt er die gesamte Welt hinter sich, selbst die Schlittenglocken vernimmt er nur noch aus weiter Ferne. Dann herrscht, nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hat, absolute Stille. Das liebende Paar genießt die Zweisamkeit, sie unterhalten und küssen sich und träumen von ihrer Zukunft. So gehen die Stunden dahin, ohne dass sie es bemerken würden. Und ehe sie es sich versehen, schlägt die ferne Turmuhr Mitternacht und sie verabschieden sich mit einem Kuss. In den letzten Versen steckt die Quintessenz des Gedichtes: Egal wie rau und unbezwingbar die Welt draußen scheint, ob Stürme toben oder andere Stolpersteine zu bewältigen sind, die Liebe umschifft alle Unwegsamkeiten, sie ist der Anker in der See - der „Steurer muss die Liebe sein“.

Carolin Eberhardt

Da draußen schneit es: Schneegeflimmer

Wies heute mir den Weg zu Dir;

Eintret’ ich in Dein traulich Zimmer,

Und warm an’s Herze fliegst Du mir –

Abschüttl’ ich jetzt die Winterflocken,

Abschüttl’ ich hinterdrein die Welt,

Nur leise noch von Schlittenglocken

Ein ferner Klang herübergellt.

 

Nun ist es still; nun laß uns kosen:

Du legst Dein Haupt auf meinen Schooß,

Ich aber knüpf’ in leichtem, losen

Getändel Dir die Flechten los.

Du zürnst; warum? Du glaubst zu müssen,

Und schwörst: „nie wieder einen Kuß!“

Da weiß ich, daß ich rasch mit Küssen

Die krause Stirn Dir glätten muß.

 

„Nun aber komm, nun laß uns plaudern

Vom eignen Herd, von Hof und Haus!“

Da baust Du lachend, ohne Zaudern,

Bis unter’s Dach die Zukunft aus;

Du hängst an meines Zimmers Wände

All meine Lieblingsschilderein, –

Ich seh’s und streck danach die Hände,

Als müss’ es wahr und wirklich sein.

 

So flieht des Abends schöne Stunde,

Vom fernen Thurm tönt’s Mitternacht,

Die Mutter schläft, in stiller Runde

Nur noch die Wanduhr pickt und wacht.

„Ade, mein Lieb!“ von warmen Lippen

Ein Kuß noch, – dann in Nacht hinein:

„Das Leben lacht, trotz Sturm und Klippen,

Nur Steurer muß die Liebe sein.“

 

*****

Vorschaubild: paar-romantik-romantisch-jahrgang-1768644, 2016, Urheber: No-longer-here via Pixabay CCO; winterlandschaft-bäume-schnee-mond-583169, 2014, Urheber: Pezibear via Pixabay CCO; neu bearbeitet von Carolin Eberhardt.

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