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Quatsch Didel Datsch

Kinderreime

von Norbert Neugebauer (Autor), Werner Kiepfer (Autor), Petra Lefin (Illustrator)

Kinder wollen unterhalten sein. Sie lieben Geschichten und Spaß, Rhythmus und Reim.
Das Spiel mit den Worten, die einen ähnlichen Klang aufweisen, fasziniert sie. Der Gleichklang und Rhythmus von Versen lassen sie die (Mutter-)Sprache spielerisch erfassen. Dadurch lassen sie sich schnell auswendig lernen, immer wieder nachsprechen und fördern so das Sprachvermögen. - Mit den liebevollen Zeichnungen von Petra Lefin bietet das Heft Unterhaltung für die ganze Familie.

Die stillen Tage

Die stillen Tage

Julius Karl Reinhold Sturm

Das vorliegende Gedicht von Julius Sturm ähnelt in seiner äußeren Form einer Ballade. Es sind keine einzelnen Strophen erkennbar, vielmehr handelt es sich um einen fortlaufenden Text in Versen. Inhaltlich erinnert sich das lyrische Ich an seine unbeschwerte Kindheit zurück. Auch die kalten, trostlosen Wintertage tragen die Erinnerungen einen gemütlichen, familiären und harmonischen Charakter.

Carolin Eberhardt

Den stillen Tagen bin ich gut,

Wenn die Natur im Schlummer ruht,

Die letzte Blume sterben ging

Mit ihrem Freund, dem Schmetterling,

Auf kahlem Zweig kein Vogel singt,

Kein Glöcklein auf der Weide klingt,

Keine Biene summt, kein Heimchen zirpt,

Wenn jeder Lebenshauch erstirbt,

Und selber der geschwätz’ge Bach

Einschläft und nicht mehr plaudern mag.

Dann stellt sich jene Zeit mir dar,

Wo ich ein frohes Kind noch war

Und oft am knisternden Kamin,

Mich wiegte auf des Vaters Knie’n,

Und wenn der Abend still genaht,

Die Mutter um ein Mährlein bat,

Wo sie dann freundlich ausgestellt

Vor meinem Blick die Zauberweilt

Mit Bäumen, welche ewig grün,

Mit Blumen, welche nie verblüh’n,

Mit Schlössern von Demantenstein,

Mit Rittern, Riesen, Zwergen, Fei’n;

Bis dass der Vater sprach End‘:

„Sieh nur, wie dem die Wange brennt!

Der Junge hält ganz offenbar

Den tollen Märchentraum für wahr.

Wo bleibt denn der Erziehungsplan?“

Sie aber sah in lächelnd an,Sprach,

während sie die Hand ihm gab:

„Das Leben streift den Zauber ab!“

Und nahm mich, bracht mir zur Ruh

Und sang ein Schlummerlied dazu,

Und eingewiegt von Melodein

Schlief ich auf weichen Pfühlen ein.

Und jetzt, wo ich zum Mann gereift,

Den Zauber längst schon abgestreift

Des Lebens rauhe Wirklichkeit,

Flücht‘ ich mich gern aus Kampf und Streit,

Wenn jene stille Zeit erschein,

Zum heimlich knisternden Kamin,

Und träum‘ in stiller Seligkeit

Die Märchen meiner Kinderzeit.


*****

Bildquellen:

Vorschaubild: Familie vor dem Kamin, 2016,Urheber: s-wloczyk2 via Pixabay CCO.

Verschneites Haus, 2020, Urheber: Victoria_Borodinova via Pixabay CCO.

Buchillustration Shakespeare, 2016, Urheber: Prawny via Pixabay CCO.

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