Sehr lehrreich und pädagogisch wertvoll ist das vorliegende Gedicht des Lyrikers Friedrich Güll, der bekannt ist für seine kindgerechte Dichtkunst. In „Das Büblein auf dem Eise“ weist er sehr direkt und unverblümt auf die Gefahren des übermütigen Schlittschuhlaufens hin. Denn oftmals sind es gerade die Kinder, die die Gefahren eines nur leicht gefrorenen Gewässers unterschätzen. Nur durch einen vorbeigehenden Mann konnte der Bub in der Geschichte gerettet werden. Also: trotz aller Schrecken ein Happy End. Ein wenig kritisch aus heutiger Sicht könnte gegebenenfalls der letzte Satz der letzten Strophe gesehen werden: "Der Vater hat's geklopfet es aus zu Haus" - vielleicht hat er ihm auch nur die Sachen trocken geklopft? Genaueres weiß man nicht.
Carolin Eberhardt
Will sehen, was ich weiß
Vom Büblein auf dem Eis.
Gefroren hat es heuer
noch gar kein festes Eis.
Das Büblein steht am Weiher
und spricht zu sich ganz leis:
"Ich will es einmal wagen,
das Eis, es muss doch tragen.
Wer weiß!"
Das Büblein stapft und hacket
mit seinem Stiefelein.
Das Eis auf einmal knacket,
und krach! schon bricht′ s hinein.
Das Büblein platscht und krabbelt,
als wie ein Krebs und zappelt
mit Arm und Bein.
"O helft, ich muss versinken
in lauter Eis und Schnee!
O helft, ich muss ertrinken
im tiefen, tiefen See!"
Wär′ nicht ein Mann gekommen -
der sich ein Herz genommen,
o weh!
Der packt es bei dem Schopfe
und zieht es dann heraus,
vom Fuße bis zum Kopfe
wie eine Wassermaus.
Das Büblein hat getropfet,
der Vater hat′ s geklopfet
es aus
zu Haus.
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Vorschaubild: https://pixabay.com/de/illustrations/wasser-see-eis-gefroren-eisst%c3%bcck-2076779/, Urheber: Hans Benn auf Pixabay.