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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

An die Deutschen

An die Deutschen

Friedrich Hölderlin

Friedrich Hölderlin (1770 – 1843), dessen 250. Geburtstag wir 2020 feiern, zählt zu den bedeutendsten deutschen Lyrikern. Einige seiner Gedichte gehören zu den besten in der deutschen Literatur. So auch das folgende, das er „an die Deutschen“ gerichtet hat, Es ist ein Appell und eine Ermunterung, bei der er auch an sich selbst gedacht haben mag. Hölderlin war in hohem Grad sensibel, in sich gekehrt und wenig zupackend, d. h. „tatenarm und gedankenvoll“. Das wird auch dadurch deutlich, dass er irritiert die Anstellung als Erzieher des Sohnes der Schriftstellerin und Schiller-Freundin Charlotte von Kalb niederlegt, weil dieser wohl in der Pubertät steckte und sich lieber sexuell selbstbefriedigt, als Latein oder Metrik zu lernen (s. Safranski, Hölderlin, München, 2. Aufl.2019, S. 106).

Hölderlin konnte nicht ahnen, dass 90 Jahre nach seinem Tod eine Partei in Deutschland die Macht ergriff, die das Land gedankenarm aber tatenvoll regierte und ins Verderben riss. Heute „leben die Bücher“ und sowohl die Werke Hölderlins als auch die über ihn erfreuen sich hoher Auflagen. Kein Grund für ihn „zu büßen die Lästerung“. Denn in der heutigen Welt herrschen viele wirre Taten und Gedanken und so warten „die Lieben“ immer noch „auf den Strahl, der aus dem Gewölke kommt“.

Florian Russi

An die Deutschen


Spottet ja nicht des Kinds, wenn es mit Peitsch und Sporn
Auf dem Rosse von Holz mutig und groß sich dünkt,
Denn, ihr Deutschen, auch ihr seid
Tatenarm und gedankenvoll.

Oder kommt, wie der Strahl aus dem Gewölke kommt,
Aus Gedanken die Tat? Leben die Bücher bald?
O ihr Lieben, so nehmt mich,
Daß ich büße die Lästerung.

*****

Vorschaubild: Porträt von Friedrich Hölderlin , Pastell von Franz Carl Hiemer (ca 1792)

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