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André Barz
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156 Seiten, ab 12 Jahre
ISBN: 978-3-937601-31-1
Preis: 12,80 €

Der Kuß im Traume

Der Kuß im Traume

Karoline von Günderrode

Das tiefgründige und melancholische Sonett erschien erstmalig 1840 in der Publikation „Die Günderode, Teil 1: Briefe aus den Jahren 1804-1806“. Als Anhang eines Briefes schickte Karoline von Günderrode das Gedicht mit weiteren an ihre tief verbundene Freundin Bettina von Arnim. Oft wird davon ausgegangen, dass das Gedicht bereits 1804 offiziell erschienen sei, allerdings lässt sich für dieses Jahr lediglich der Briefverkehr nachweisen. In ihrer Publikation „Gedichte und Phantasien“ (1804) ist das Gedicht nicht enthalten.

Aus dem betreffenden Briefwechsel der beiden Frauen geht hervor, dass sie sich regelmäßig Briefe zukommen ließen, in denen sie der Freundin ihre neuesten Texte und Gedichte übermittelten.

Zu ihrer Motivation, „Der Kuß im Traume“ zu verfassen, gibt Günderrode in ihrem Brief keine Hinweise. Ob ihre unglückliche Liebe zu Carl von Savigny sie dazu bewegte, welchen sie 1799 im Kreis der Romantiker um Bettina von Arnim kennen lernte, oder ob ihr ihre 1804 geschlossene Bekanntschaft mit dem Philologen und Mythenforscher Friedrich Creuzer Inspiration bot, kann somit nicht eindeutig geklärt werden.

Verschiedene Interpretationen sind möglich. Generell ist zu bemerken, dass in den Versen des Sonetts eine tiefe Einsamkeit und ein unstillbares Verlangen mitschwingt. Aber auch eine gewisse Beschwingtheit und Euphorie ist spürbar, wenn die Dichterin schreibt „Komm Dunkelheit mich traulich zu umnachten, dass neue Wonne meine Lippe saugt.“

Zum einen lässt sich der erste Vers „Es hat ein Kuß mir Leben eingehaucht“ für sich allein genommen auf ihre 1804 geschlossene Bekanntschaft mit dem verheirateten Friedrich Creuzer beziehen, mit dem Günderrode kurze Zeit später eine Affäre begann. Mit Blick auf den weiteren Verlauf des Gedichtes kann diesbezüglich gedeutet werden, dass sie ihren ersten Kuss mit Creuzer in ihren Träumen unbemerkt immer wieder erleben kann. Diese Interpretation würde auch erklären warum „der Tag (…) an liebesüßen Wonnen (karg ist)“. Denn der verheiratete Geliebte kann mit Günderrode nur selten gemeinsame Zeit erübrigen.

Zum anderen lässt das Gedicht die Interpretation zu, dass Günderrode sich im Allgemeinen nach einer Liebe verzehrt. In ihren Träumen, in ihren Gedanken, in der Nacht, wenn sie allein ist, kann sie alles, was sie sich wünscht, erleben, erfahren und genießen. So heißt es „(die) Nacht, sie stillet dein Verlangen.“

Carolin Eberhardt

 

Es hat ein Kuß mir Leben eingehaucht,
Gestillet meines Busens tiefstes Schmachten,
Komm, Dunkelheit mich traulich zu umnachten,
Daß neue Wonne meine Lippe saugt.

 

In Träume war solch Leben eingetaucht,
Drum leb ich, ewig Träume zu betrachten,
Kann aller andern Freuden Glanz verachten,
Weil nur die Nacht so süßen Balsam haucht.

 

Der Tag ist karg an liebesüßen Wonnen,
Es schmerzt mich seines Lichtes eitles Prangen
Und mich verzehren diese heißen Gluten.

 

Drum birg dich Tag, dem Leuchten ird´scher Sonnen!
Hüll dich in Nacht, sie stillet dein Verlangen
Und heilt den Schmerz, wie Lethes kühle Fluten.

 

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Bildquelle: Karoline von Günderrode, Anonymes Gemälde, um 1800; Historisches Museum, Frankfurt Main; gemeinfrei, wikipedia

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