Johannes Schlafs Gedicht besteht aus zwei Teilen, von denen der erste Part in drei Strophen mit sehr unregelmäßiger Reimform, nämlich sechs in der ersten, zwei in der zweiten und zehn Versen in der dritten Strophe daherkommt. Der Charakter des ersten Teils ist eher in einer allgemein beschreibenden Form gehalten, die die Eigenschaften des Herbstes schildert, jedoch nicht ohne persönliche Empfindungen und persönliches Erleben mit einfließen zu lassen: „So heimisch raschelt der Fuß durchs Laub.“ Erst in der letzten Strophe geht der Dichter über in eine romantische Stimmung, in der die Zweisamkeit im Vordergrund steht: „Da wollen wir beieinander sitzen in Herbstmonddämmer hinein und leise verlorene Worte plaudern.“ In diesem ersten Gedichtteil – nennen wir ihn „Die letzten klaren Tage“ - fällt dem Leser sogleich ins Auge, dass die Verse hier nicht in Reimform verfasst sind.
Das Gedicht geht an dieser Stelle über in einen kurzen, aber sehr romantischen zwei-strophigen Gedichtpart. Er personifiziert den „lieben“ Abend, der „so still (herein lacht)“, die Formulierung hat beinah etwas vertraulich Liebevolles. Insgesamt vermittelt der Teil - nennen wir ihn „Herbstsonnenschein“- welcher aus zwei Strophen mit jeweils vier Versen besteht, eine gemütliche, Geborgenheit schenkende und liebevolle Atmosphäre. Die Freuden des Herbstes mit seinem „Herbstsonnenschein“, aber auch mit einem warmen Feuer im „Ofenloch“ führen zu einer romantischen Stimmung, die der Protagonist, vielleicht der Dichter selbst, mit einer von ihm geliebten Person genießt. Sein „Kopf auf (ihren oder seinen) Knie’n“, sein „Auge (, welches) in (ihrem oder seinem) ruht“, die körperliche und geistige Nähe zueinander führen dazu, dass „die Minuten (leis) ziehn!“ In diesem zweiten Gedichtteil geht Schlaf in die Reimform über, was nochmals auch stilistisch die deutliche Abgrenzung zwischen den beiden Gedichtteilen verstärkt. Der Eindruck entsteht, dass der Dichter genau diesem kürzeren zweiten „Herbstsonnenschein“ mehr Bedeutung zuteilwerden lassen wollte.
Carolin Eberhardt
Die letzten klaren Tage
Nun kommen die letzten klaren Tage
Einer müderen Sonne.
Bunttaumelnde Pracht,
Blatt bei Blatt.
So heimisch raschelt
Der Fuß durchs Laub.
O du liebes, weitstilles Farbendlied!
Du zarte, umrißreine Wonne!
Komm!
Ein letztes Sonneblickchen
Wärmt unser Heim.
Da wollen wir sitzen,
Still im Stillen,
Und in die müden Abendfarben sehn.
Da wollen wir beieinander sitzen
In Herbstmonddämmer hinein
Und leise
Verlorene Worte plaudern. —
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Herbstsonnenschein
Herbstsonnenschein.
Der liebe Abend lacht so still herein.
Ein Feuerlein rot
Knistert im Ofenloch und loht.
So! - Mein Kopf auf deinen Knie'n. —
So ist mir gut;
Wenn mein Auge so in deinem ruht.
Wie leis die Minuten ziehn! …
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