Eine Ode an den Mai – anders ist Mörikes Maigedicht nicht zu beschreiben. Wie gut, dass sein Sehnen nach dem Wonnemonat nun in diesem Jahr (2026) schon erfüllt wurde. Recht hat er, wenn er schreibt, „der April fürwahr (ist) (…) Frühling weder halb noch gar“. Viel zu launisch und unbeständig, bringt er doch in manchem Jahr sogar nochmal Schnee mit sich. Welch eine Pracht aber hält der Mai in jedem Jahr für uns bereit? Doch zum Ende des Gedichtes relativiert Mörike seine Ungeduld wiederum ein klein wenig. Denn, je eher der Mai kommt, umso schneller ist er auch wieder vorbei und der Mailiebhaber muss nun erneut ein Jahr auf ihn warten.
Carolin Eberhardt
Es ist doch im April fürwahr
Der Frühling weder halb noch gar.
Komm, Rosenbringer, süßer Mai,
Komm du herbei!
So weiß ich, was der Frühling sei.
- Wie aber, soll die erste Gartenpracht,
Narzissen, Primeln, Hyazinthen,
Die kaum die hellen Äuglein aufgemacht
Schon welken und verschwinden?
Und mit euch besonders, holde Veilchen,
Wär′ s dann fürs ganze Jahr vorbei?
Lieber, lieber Mai,
Ach, so warte noch ein Weilchen!
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