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Familie Stauffenberg: Hitlers Rache

Ursula Brekle

Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg war als Ehefrau von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der Schlüsselfigur im Widerstand gegen Hitler, von Anfang an in die Widerstandspläne ihres Mannes einbezogen. Sie bewies Mut und Stärke, obwohl sie nach der Ermordung ihres Mannes im Gefängnis und im KZ leben musste. Auch durch den Verlust von Angehö-rigen durchlebte sie eine leidvolle Zeit. Nach dem Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 drohte Himmler:
„Die Familie Stauffenberg wird ausgelöscht bis ins letzte Glied.“
Vor Ihnen liegt die spannungsreiche Geschichte, die beweist, dass es Himmler nicht gelungen ist, die Drohung wahrzumachen. Die jüngste Tochter von fünf Geschwistern Konstanze wurde noch während der mütterlichen Haft geboren. Sie berichtete vom 90. Geburtstag ihrer Mutter Nina, auf dem über 40 Nachkommen zusammengekommen waren. Die Nationalsozialisten haben trotz Hinrichtungen und perfider Sippenhaft nicht gewonnen.

Unter dem Mistelzweig

Unter dem Mistelzweig

Carolin Eberhardt

Heute ist die Weihnachtstradition, sich an Heilig Abend unter einem hängenden Mistelzweig zu küssen, nahezu vergessen. Wer aber denkt, dass es sich dabei um ein ausschließlich in England gelebtes Ritual handelt, behält nicht gänzlich recht. Die Mistel hatte auch in Deutschland eine große Relevanz, war sie doch ein Symbol des nordischen Glaubens. Noch im 19. Jahrhundert wurde die Tradition mancherorts in Deutschland gelebt, dann allerdings nicht an Weihnachten, sondern am 6. Januar. Die nordische Sage, welche den Brauchtümern rund um die Mistel zugrunde gelegt werden kann, berichtet, dass Baldur, der Gott der Sonne und des belebenden Sommers, einst einen Kampf gegen Loki, den Herrscher der Nacht und des Winters, gewann und ihn zu einem Friedensabkommen zwang. Dabei forderte Baldur einen Eid Lokis, welcher ihm untersagte Baldur zukünftig Leid zuzufügen. Weder mit einer Waffe, welche einem Gewächs der Erde oder des Wassers entstammt, noch vom Baum oder Strauch oder sonst einem Gewächs, welches aus der Blüte des Sommers hervorginge. Loki leistete zwar den Schwur, doch überlistete Baldur. Denn die Mistel entsprach keiner der vereinbarten Regelungen. Sie grünte im Winter, war weder Baum noch Strauch, wuchs weder im Wasser noch auf der Erde. Aus ihrem Gehölz schnitzte Loki verderbenbringende Pfeile und verwundete den Sonnengott damit schwer. Lange litt Baldur unter den Verletzungen, bis er von Wodan, dem Göttervater, geheilt wurde.

Folglich wurde dem Mistelzweig in den wieder länger werdenden Tagen des Jahres, also ab dem 6. Januar, keine verderbliche, sondern eine heilende Wirkung nachgesagt. Zauberkräfte sollte das Gewächs zu dieser Zeit entfalten. Daher wurde sie unter vielen Feierlichkeiten vom Priester der Kelten, dem Druiden, vom Baum im heiligen Hain abgeschnitten und an die Gläubigen verteilt. Eine besonders mächtige Mistel war diejenige, welche auf einer Eiche wuchs. Selten wurde die Mistel an diesem Standort gefunden, doch wurde einer solchen Pflanze die besondere Heilkraft gegen alle Arten von Krankheiten, gegen Zauber und böse Geister nachgesagt.

Bereits bei den Galliern war der Mistelzweig heilig, Der Druide stieg in einer weißen Bekleidung auf den Baum, um den Mistelzweig mit einer goldenen Sichel abzuschneiden. Die mit einem weißen Mantel aufgefangene Mistel wurde dann den Göttern als Opfer dargebracht. Die Gallier schrieben die heilsame Wirkung aber nicht etwa der Mistel selbst zu, sondern glaubten daran, dass alles, was an dem Heiligen Baum wuchs, solche Kräfte erhielt. Denn der Baum, so glaubten sie, sei von der Gottheit selbst gewählt.

Weit verbreitet war noch während des 19. Jahrhunderts die Tradition um den wundersamen Mistelzweig in Europa. So wurden in Frankreich die Zweige zum Neuen Jahr in der Hand gehalten, während die Neujahrsgrüße ausgesprochen wurden. England zelebrierte, wie es auch bis heute Brauchtum ist, die Tradition, bei welcher der Mistelzweig an Weihachten an der Decke befestigt wird und die Männer ihre Frauen darunter führten, um sie zu küssen. Der Kuss unter dem Mistelzweig gilt als Symbol für die nicht wankende Liebe.

In Deutschland ist das heidnische Brauchtum im vorletzten Jahrhundert zwar nicht mehr so deutlich gelebt worden. Allerdings lassen sich Ansätze davon an anderen Festtagen, wie zum Beispiel Fastnacht oder Ostern erkennen. Zu beiden Anlässen wurden die Freunde mit grünen Ruten gepeitscht, vielleicht ein abgewandelter Brauch, um die Freunde mit Mistelzweigen zu Berühren und sie damit vor Unfall, Krankheit, Zauberei und Hexerei zu schützen. 

 

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Textquellen:

Hopf, I.; Paulick, K.: Deutsches Lesebuch für höhere Lehranstalten, neu bearbeitet von K. Paulsick und Chr. Muff, Erster Teil, Dritte Abteilung, siebenunddreißigste Auflage, erste der neuen Bearbeitung, Berlin: G. Grote’sche Verlagsbuchhandlung, 1892.

Konrad Schwend’s Mythologie der Griechen, Römer, Ägypter, Semiten, Perser, Germanen, und Slawen: In sieben Bänden und einem General-Register, Sechster Band, Die Mythologie der Germanen, zweite Ausgabe, Frankfurt am Main: J.D.Sauerländer’s Verlag, 1855.

Fr. Warnke: Pflanzen n Sitte, Sage und Geschichte: Für Schule und Haus, Leipzig: Druck und Verlag von B. G. Teubner, 1878.

Bildquellen:

Vorschaubild: Christmas throughout Christendom - Under the Mistletoe, 1872, Urheber: unbekannt via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

A print of Jesus and his family, a print from a copper-plate engraving, after a painting by Raphael, 17. Jh., Urheber: Gerard Edelinck via Wikimedia Commons Gemeinfrei.

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