Deutschland-Lese

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Unter den Monden des anbrechenden Lebensabends dehnt sich die Zeit und doch ist ihr Vergehen anders zu spüren als sonst. Jetzt wirken alle Fragen entscheidend, die Endgültigkeit scheint zum Greifen nah und Einsichten beginnen dort, wo alles Denken innehält.

Lyrikband von Berndt Seite

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Das Vogelnest

Das Vogelnest

Wilhelm Hey


„Knabe, ich bitt‘ dich, so sehr ich kann:

O, rühre mein kleines Nest nicht an!

Es liegen ja meine Kinder drin;

Die werden erschrecken und ängstlich schrei’n,

wenn du schaust mit den großen Augen herein.“


Wohl sähe der Knabe das Nestchen gern,

Doch stand er behutsam still von fern.

Da kam der arme Vogel zur Ruh‘,

flog hin und deckte die Kleinen zu,

und sah so freundlich den Knaben an:

„Hab Dank, dass du ihnen kein Leid getan.“


*****

Textquelle:

Hey, Wilhelm: Fünfzig Fabeln für Kinder, Stuttgart: Loewes Verlag Ferdinand Carl, 1909, S.16.

Bildquelle:

Schwalbennest, 2014, Urheber: Joachim_Marian_Winkler via Pixabay CCO; neu bearbeitet von Carolin Eberhardt.

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